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Das süße Nichtstun des Utz Claassen

Manager in gehobenen Positionen haben es nicht leicht: Ständig werden ihnen Fehlentscheidungen angekreidet, müssen sie unpopuläre Sparmaßnahmen rechtfertigen und dann wird ihnen auch noch ihr Gehalt geneidet. Dennoch gelingt es ihnen in vielen Fällen, ein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten.

dapd

Selbstzweifel scheint es nicht zu geben, zumindest werden sie nicht laut. Im Gegenteil: Die meisten Anzugträger in den oberen Etagen sind so sehr von sich überzeugt, dass sie Fehler nur im seltensten Fall bei sich selbst entdecken und prinzipiell davon auszugehen scheinen, dass sie und nur sie an ihrem Platz Erfolge erzielen, Verluste vermindern, also mustergültig managen können.

Die eigene Wertschätzung wird im Allgemeinen sichtbar an den ausgehandelten Vertragskonditionen, die etwa den Volkswagen-Chef Martin Winterkorn 2011 mit 17,5 Millionen Euro zum Spitzenverdiener der Dax-Unternehmen machten. Die Rechtfertigung derartiger Traumlöhne fußt häufig auf der Tautologie, dass im Arbeitsvertrag der Markt für Führungskräfte seinen Ausdruck findet.

Seltener kommt es vor, dass bei der ewigen Diskussion über den Unterschied von Verdienen und Verdienen ein Manager sagt, was er für das Nichtstun bekommen sollte. Den Vorreiter macht hier wieder einmal Utz Claassen. Der Mann will von der für kurze Zeit von ihm geführten und mittlerweile insolventen Solar Millennium AG 265 Millionen Dollar, weil dessen „Verantwortliche durch rufschädigende Äußerungen (…) Claassens (…) Reputation als Manager geschädigt“ hätten.

Der 48-jährige Claassen behauptet, dadurch nach seinem Abschied im März 2010 „keine adäquaten Mandate mehr bekommen“ zu haben. Offen bleibt, wie hoch er den Restwert seines Rufs nach Abzug der 265 Millionen Dollar ansetzt, also wie viel sich Claassen vorher wert war. Offen bleibt auch, ob der Manager mit den vermissten adäquaten Mandaten seitdem 265 Millionen Dollar verdienen wollte bzw. für welchen Zeitraum er sich das vorgenommen hat.

Seit neuestem versucht sich Claassen als Krimiautor, doch die schöneren Geschichten schreibt er in seinem eigenen Leben.  Die Klage wegen der vermeintlichen Rufschädigung ist nicht der einzige Streitpunkt mit seinem ehemaligen Arbeitgeber. 2010 hatte der ehemalige Atommanager der EnBW ebenso überraschend nach 74 Tagen bei Solar Millennium gekündigt, wie er dort ins Amt gekommen war. Die Antrittsprämie von neun Millionen Euro nahm er mit, ein Verfahren dazu vor dem Landgericht Nürnberg ist derzeit wegen der Insolvenz des Unternehmens unterbrochen.

Auch mit seinem früheren Konzern stritt er sich um die Bezüge. 2009 verklagte er den Versorger EnBW, weil der ihm sein Ruhegeld nach dem Rücktritt 2007 gekürzt hatte – und das nur, weil sich Claassen schon als Berater verdingt hatte. Es ging um 400.000 Euro per annum, zahlbar bis zum 63. Lebensjahr, womit eine Gesamtsumme von rund sieben Millionen Euro strittig war.  Am Ende erhielt Claassen eine Abfindung von 2,5 Millionen, weil er mit seiner Argumentation, das Honorar für seine Beratungstätigkeit sei kein „Gehalt, Tantieme oder Ruhegehalt“, punkten konnte.

Dank Claassen wissen wir also, was ein Vorstandschef sich für die Zeit des Nichtstuns, des freiwilligen (400.000 Euro) und des unfreiwilligen (265 Millionen), an Einkommen vorstellt. Da war es dann ein stimmiger Zufall, dass auch Franz Waas von der DekaBank am gleichen Tag wie Claassen seine Ansprüche anmeldete. Er verlor seinen Job, weil er für die Jahre 2008 und 2009 nachträglich einen Bonus von mehr als zwei Millionen Euro forderte. Für die Sparkassen als Eigentümer war das offenbar nicht gerechtfertigt, womit sie implizit auch sagen, dass Waas dafür nichts getan hat.

Wenn demnächst also wieder über die Gehälter der Manager debattiert wird, verdienen die Arbeitslosen unter ihnen besondere Beachtung.  Hier klafft die Gehaltsschere noch weiter auseinander.

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Kommentare (1 aus 1)

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    • man kann nur hoffen , daß der herr claassen nicht harz 4 empfänger wird wenn er die 265 mill. dollar nicht bekommt.

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