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Bund-Future en français – Franzosen klonen ein deutsches Erfolgsprodukt

Der Bund-Future ist eines der meistgehandelten und bekanntesten Zins-Derivate der Welt. Für die Terminbörse Eurex ist es das Erfolgsprodukt schlechthin. Nun klont die Deutsche-Börse-Tochter ihren Kassenschlager und bringt ein französisches Pendant auf den Markt.

dapd
Auch ein deutsches Erfolgsprodukt: Die Thüringer Bratwurst. Genauso wie der Bund-Future wird auch sie oft geklont.

Damit kommt die Eurex den Bedürfnissen vieler Investoren entgegen: Das Auseinanderlaufen der Zinsdifferenzen während der Eurokrise hat  jahrelang erfolgreiche Absicherungsstrategien ad absurdum geführt. Wer in französische Anleihen investiert, kann seine Anlage nicht mehr mit einem Investment in den Bund-Future absichern. Zu groß ist der Unterschied zwischen den Renditen deutscher und französischer Anleihen geworden. Aus dem gleichen Grund hatte die Eurex 2010 bereits einen Terminkontrakt auf italienische Staatsanleihen lanciert.

Als vor mittlerweile 13 Jahren die europäische Gemeinschaftswährung eingeführt wurde, war ein Bedarf an solchen Kontrakten noch nicht erkennbar. Die Euro-Länder wurden damals in ihrer Bonität als Schuldner vom Kapitalmarkt nahezu gleichgestellt. Die historisch vergleichsweise hohen Renditen der Mittelmehranrainer näherten sich  den Renditen aus Kerneuropa an. Entsprechend genoss der Bund-Future als gemeinsame Benchmark für die Euro-Zone weithin Akzeptanz.

Doch mit Beginn der Staatsschuldenkrise in der Eurozone liefen die Zinsdifferenzen deutlich auseinander. Für die Absicherungsgeschäfte am Terminmarkt war dies fatal. Wer seine spanischen Anleihen über den Bund-Future absicherte, verlor nun Geld – und das gleich doppelt.

Die Absicherung erfolgt in der Regel so: Für eine Long-Position in einer Staatsanleihe, also durch den Kauf der Anleihe,  wird eine Short-Position  - eine Verkaufsposition – mit vergleichbarem Volumen am Terminmarkt aufgebaut – oder umgekehrt. Das funktionierte, solange sich die Zinsdifferenzen  innerhalb Europas im Einklang befanden. Mit der Flucht aus den Peripherieländern in die sicheren Häfen lösten sich die bestehenden Korrelationen am Markt auf. Während die Renditen in Spanien stiegen und die Anleihen im Gegenzug Verluste verbuchten, gewannen die Bund-Futures, weil Anleger in den als sicher geltenden Hafen flüchteten. Die vermeintliche Absicherung verschlimmerte die Verluste also sogar.

Die Eurex erkannte die Problematik – und die Chance auf neues Geschäft, das sich daraus ergibt. Bereits vor zwei Jahren legte sie Terminkontrakte auf italienischen Anleihen auf. Vom Volumen her ist der italienische Anleihemarkt der drittgrößte der Welt, vom Nettovolumen ist der Markt sogar größer als der Markt für Bundesanleihen.

Im Vergleich zum Bund-Future lebt der Kontrakt auf das italienische Pendant jedoch eher ein Schattendasein. Im Schnitt werden rund 13.000 Kontrakte gehandelt. Verglichen mit den Umsätzen im Bund Future von durchschnittlich 700.000 Kontakten pro Tag also eher ein Zwerg. Trotzdem hat der Terminkontrakt seinen  Charme für Investoren. Für institutionelle Investoren gibt es die Wahlmöglichkeit: Wenn sie italienische Anleihen kaufen wollen, können sie zwischen der Anleihe und einem Derivat darauf wählen.

Während die Staatsschuldenkrise in Euroland  tobte, stiegen die Renditen der italienischen zehnjährigen Anleihen auf über sieben Prozent an. Verunsicherung unter den Handelspartnern machte sich breit. Sie befürchteten, dass der Gegenpart eines Handelsgeschäftes über Nacht ausfallen könnte – wie bei der Pleite von Lehman Brothers. Dieses Risiko ist bei Terminkontrakten wesentlich geringer. Hier ist die Eurex der Geschäftspartner der Händler. Und die managt ihr Risiko über Sicherheitsleistungen, sogenannte Margins, die bei unsichereren Anlagen nach oben gehen. Es müsste schon sehr viel passieren, damit die Eurex als Handelspartner ausfällt.

Aus dem gleichen Grund dürfte auch der Klon des Bund-Futures auf dem französischen Anleihemarkt seinen Anhang finden. Natürlich ist die Gefahr eines französischen Zahlungsausfalls deutlich geringer als sie in Italien zu schlimmsten Zeiten war – und womöglich auch noch einmal wird. Die Notwendigkeit eines Kontrakts auf französische Staatspapiere mindert das aber nicht. Trotz der jüngsten Beruhigung liegt die Rendite zehnjähriger Bonds aus Frankreich immer noch mehr als einen Prozentpunkt über der von deutschen Gegenstücken. Und dass sich das in kürzester Zeit entscheidend ändert, erwartet am Markt kaum jemand – die Eurex offenbar auch nicht.

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