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Die Seite Drei
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Ein Abschiedsbrief an Nokia

Liebes Nokia,

wie geht es Dir? Mir geht es gut. Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen, und es tut mir auch ein bisschen leid, dass ich mich erst jetzt wieder bei Dir melde. Ich hatte ja keine Ahnung, wie schlecht es Dir geht.

Erinnerst Du Dich noch an früher? Als wir uns das erste Mal trafen? Es muss während meiner Abi-Zeit gewesen sein. Du warst nicht mein erstes Handy – ein Franzose war Dir zuvorgekommen. Und trotzdem wirst Du in meiner Erinnerung immer eine zentrale Rolle spielen. Du brachtest mir Snake bei. Dieses lustige Spiel auf grauem Hintergrund mit dem unverwechselbaren Sound. Mit Freunden spielte ich um die Wette. Du warst mein Wecker am Morgen, du warst das Nokia 3310.

Es dauerte nicht lange, da verliebte ich mich in ein neueres Modell mit blauer Tastaturbeleuchtung. Wow – war das cool. Wen juckte schon das kleine Display – damals war es eben so. Mich hat das nie gestört. Denn Du warst einfach cool. Mit deinen austauschbaren Hüllen und deinen kleinen Spielen, die Du mitgeliefert hast. Außerdem hast Du uns jedes Jahr etwas Neues präsentiert. So auch 2003 – da stelltest Du ein Handy mit Kamera vor! KAMERA! Ich war hin und weg.

Und ich war bereit, mehr zu bezahlen. Denn was Du mir da zeigtest, war damals neu. Es fühlte sich gut an, ein Nokianer zu sein. Ich verbrachte Stunden in Deinen Geschäften, die es damals noch in fast jeder Stadt gab. Ich verglich die Modelle – und störte mich auch nicht daran, dass häufig nach 200 SMS der Speicher voll war. So war das eben damals. Und mit dem Design und der Funktionsvielfalt deiner Handys machtest Du das massig weg. Es war eine schöne Zeit, was hatten wir einen Spaß zusammen.

2005 kam dann die Wende. Die Konkurrenz hatte aufgeholt. Siemens, Motorola und Samsung waren nicht mehr bloß Außenseiter. Sie hatten Dich in bestimmten Punkten sogar überholt. Es brach mir das Herz, als ich Dich – das Nokia 3650 – in ein Paket steckte und an einen neuen Besitzer verschickte. Ich wünschte Dir viel Glück, auf mich wartete ein Samsung.

Trotz dieses Einschnittes bliebst Du in Reichweite. Wenn Du wieder einmal ein neues Telefon vorstelltest, las ich immer mit. Ich schaute mir die Leistungsfähigkeit, die Features und den Preis an. Und musste irgendwann feststellen: Du hattest Deinen Zauber verloren. Die Modelle wurden immer beliebiger, die Software hakte. Von bunten und glitzernden Modellen mit Tauschhüllen ließ sich niemand mehr blenden. Doch aufgrund der schieren Fülle an Geräten, die Du Jahr für Jahr auf den Markt warfst, machte ich mir keine Sorgen. Du wirst es schon schaffen, sagte ich mir.

2007 war das Jahr des iPhones

Dann kam 2007. Das Jahr des iPhones. So wie ich früher gespannt nach jeder Nachricht über ein neues Nokia-Handy gesucht hatte, so lauschte ich nun den Worten von Steve Jobs. Und ich verschwendete keinen Gedanken mehr an Dich. Tut mir leid, dass ich Dir das heute so deutlich sagen muss. Du warst aus meinem Gedächtnis verschwunden und hattest Platz gemacht für Smartphones. Du weißt schon, diese intelligenten Handys mit Touchscreen, die Du erst viel später vorgestellt hast. Da war der Zug jedoch schon abgefahren.

Klar – deine Lumia-Handys sind nicht schlecht. Klar: Symbian abzuschießen war die richtige Entscheidung. Aber Du hattest doch so viele Optionen! MeeGo war als Betriebssystem tatsächlich sehr beliebt. Android ist heute Marktführer. Doch Du hast Dich für Windows entschieden. Noch so ein Stern, der langsam seinen Glanz verliert. Da haben sich die Richtigen gefunden, hab ich gedacht. Mir war spätestens damals klar, dass ein Nokia-Handy für mich nie wieder in Betracht kommen würde. Denn ich hatte mich ins Apple-Ökosystem verirrt. Da wäre Android eventuell noch eine Überlegung wert gewesen – Windows jedoch nicht.

Schon wieder ein Minus bei den Quartalszahlen

Jetzt hast Du zum sechsten Mal in Folge ein Minus bei den Quartalszahlen vermelden müssen. Dein Chef, dieser Stephen Elop, wollte ja eigentlich eine Kehrtwende schaffen. Dafür hat er viele Menschen entlassen und bestimmte Abteilungen verkauft und geschlossen. Vielleicht musste er das tun. Doch von seinem Versprechen, Dich wieder profitabel zu machen, ist bislang wenig zu sehen.

Du tust mir leid. Denn Du warst einst mein Held. Ich mochte Dich, Du gehörtest quasi zur Familie. Von Deinen Akkus, die mehrere Wochen hielten, träume ich noch heute. Jetzt bist Du nur noch eine Firma aus Finnland, die bunte Telefone herstellt, auf denen Windows läuft. Doch Deine Seele, Dein Image als innovatives Unternehmen, all das hast Du verloren.

Mein erstes Nokia-Handy besitze ich noch heute. Nenn mich sentimental. Falls es Dich bald nicht mehr geben sollte, werde ich es wohl irgendwann entsorgen. Vielleicht spiele ich vorher noch eine Runde Snake. Der guten alten Zeiten wegen.

Mach’s gut,

Jörgen

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Kommentare (5 aus 12)

Alle Kommentare »
    • Fehler von Nokia: Weggang von Bochum. Windows Betriebssystem. Manager der bei Microsoft war.
      Kein echte Innovationen. Zu viele Modelle. Es reichen drei bis Modelle ! Ein Normales Telefon zum Telefonieren ohne Touchscreen mit Tasten. Ein Telefon für ältere Menschen einfach zu bedienen mit große Tasten. Ein Smartphone im Mittleren Preissegment. Ein Spitzensmartphone im oberen Preissegment. Und Qualität langlebige Akkus. Metallgehäuse robust Wasser und Staubdicht !

    • das Nokia N9 ist ein grossartiges Gerät.
      wohl leider wegen diesem Windows Elop aufgegeben..
      Schade.

    • Ich benutze immernoch mein 6230i Fragt sich nur wie lange noch. Der Akku hält nach 6 Jahren nur noch 1 Woche…

    • Die Bochumer Werksschließung ist ganz eng mit dem Niedergang wies einstigen Riesen verbunden.
      Zeugt sie doch von der geballten Inkompetenz und Mitnahmementalität sehr vieler heutiger Firmenbosse und Konzernchefs.
      Von Inovationen und Leistung nicht die geringste Spur.
      Die vielfach angeführte “Kernkompetenz” beschränkt sich auf die Suche nach Subventionen und deren Abschöpfung, Kostenoptimierung mit beschränktem Blick auf den Aktienkurs und als oberstes Ziel die eigene Bereicherung ohne Rücksicht auf Verluste.
      Dies Verhalten zieht sich durch alle Branchen. Da gehen die Verantwortlichen für katastrophale strategische Firmenausrichtungen einfach zum nächsten Opfer, Manager kennt sich ja schließlich und die Kreuzverbindungen der Aufsichtsräte und Firmenchefs sind da ganz nützlich.

      Manchmal findet so ein blindes Managerhuhn dann doch noch ein Korn in Form eines so gesunden Betriebes, daß es auch als Parasit am Kopf des Unternehmens keinen existentiellen Schaden anrichten kann.

      Jobs, Gates, Piëch, Hoeneß und viele andere wirkliche Firmenlenker und Unternehmer wären niemals so erfolgreich geworden wenn sie zu jedem Zeitpunkt nur an den persönlichen Gewinn einer Entscheidung gedacht hätten.
      Ob man deren Produkte mag oder nicht, an deren Firmenausrichtungen sollten sich die abergescheiten Blitzbirnen von Beratern und abranchenfremden BWL-Chefs mehr als eine Scheibe abschneiden…

    • Nanu, kein Wort von dem Bochumer Werksschließungsskandal?

      Wie würden die Deutschen heute eigentlich auf Nokias Absturz reagieren, wenn es das Werk noch gäbe? Auch mit solcher Schicksalsergebenheit? Oder würde man forden: Nokia muss bleiben wie Opel — kaufen können ja die anderen?

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