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Wo der Kunde – da das Geld

dapd
Wo ist der potenzielle Kunde? Für diese Information sind viele Unternehmen bereit zu zahlen.

Den ersten Tag an der Börse hatte sich die Pressestelle des Börsenneulings Telefonica Deutschland dann doch ein bisschen anders vorgestellt, hieß es am Morgen danach. Während in der Wirtschaftspresse der erfolgreiche Börsengang beschrieben wurde, machte die Mobilfunktochter O2 in den breiten Medien ganz andere Schlagzeilen:

O2 will Standort-Daten ihrer Kunden an Händler verkaufen, war das Thema.

Autsch!

Der Bundesbeautragte für Datenschutz Peter Schaar wies in einem Interview, das es selbst bis in die 20-Uhr Ausgabe der Tagesschau schaffte, eilends darauf hin, dass die Kunden zuvor ihre Einwilligung geben müssten.

Deutschlands kleinster Mobilfunkanbieter stolperte über die Sensibilität, die Verbraucher beim Thema Datenschutz haben. Dabei ist das Big-Brother-Szenario, mit denen die Pläne von Telefonica verknüpft wurden, schon längst Wirklichkeit, wenn auch noch nicht so ausgefeilt – und daher datenschutzrechtlich unbedenklich.

Seit Jahren arbeitet Vodafone beispielsweise mit dem niederländischen Navigationssysteme-Hersteller TomTom zusammen. Wo und in welchem Tempo sich Vodafone-Kunden auch in Deutschland durchs Land bewegen, wird TomTom gemeldet. Nur so kann das niederländische System den Nutzern seiner Navigationssysteme sagen, wie sich ein Stau am besten umfahren lässt. Auch fast jeder Nutzer von TomTom-Navigationsgeräten liefert solche Daten, anonymisiert versteht sich, darum muss der Vodafone-Kunde auch nicht ausdrücklich seine Einwilligung geben.

Im vergangenen Jahr ist das Datensammeln dem Amsterdamer Unternehmen aber dennoch auf die Füße gefallen. Denn historische Datenprofile sind auch bei der  niederländischen Polizei gelandet, und die wusste somit ziemlich genau, an welchen Stellen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von vielen Autofahrern regelmäßig überschritten wurde, und stellte gezielt Radarfallen auf. Der Aufschrei bei unseren westlichen Nachbarn war groß und TomTom änderte eilends die Nutzungsbedingungen für die Datensätze. Der Imageschaden für TomTom hielt sich gleichwohl in Grenzen.

Was O2 jetzt vorhat, basiert auf dem gleichen Prinzip: Wo sich wie viele Menschen aufhalten wird erfasst. Aber nicht individualisiert, sondern in der Masse. Dennoch geht O2 einen Schritt weiter. Der Mobilfunker plant, die Bewegungsdaten anzureichern, etwa mit Alter und Geschlecht der Kunden. Das lässt jetzt zwar immer noch keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen zu. Aber wer beispielsweise einen Damen-Schuhladen eröffnen will, der wüsste schon gerne vorher, ob sich in der Gegend nicht schwerpunktmäßig Männer zwischen 50 und 70 Jahren aufhalten.

Ob und wann O2 auch in Deutschland Kundendaten verkaufen werde, stehe aber noch gar nicht fest, schob ein O2-Sprecher eilends hinterher.

Aber mal ganz ehrlich: Jeder von uns gibt mehr persönliche Daten von sich preis, wenn er den Nutzungsbedingungen von Facebook zustimmt, derweil die Offline-Generation fleißig Daten preisgibt, wenn sie Kundenkarten einsetzt oder an Gewinnspielen teilnimmt.

Und auch wer alles das nicht macht, läuft immer noch Gefahr, dass das Einwohnermeldeamt seine Adresse verkauft – zu Werbezwecken!

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