Von Hans-Joachim Koch
Silicon Valley gilt als Heimat technologischer Meisterleistungen, als Geburtsstätte des digitalen Fortschritts. Aber strahlt all das auch auf den Rest der USA ab? Nein, im Südosten des Landes gibt es einen Bundesstaat, der die Tradition der Entschleunigung pflegt. Auch bei Präsidentschaftswahlen. In Florida dauert das simple Auszählen von Stimmen immer ein bisschen länger.
Zwar war schon am späten Abend des Wahl-Dienstags klar, dass Barack Obama „four more years“ regieren kann. Doch es dauerte weitere 80 Stunden, bis fest stand, dass auch der US-Sonnenstaat ein belastbares Wahlergebnis hat. Nur – es interessierte niemanden mehr so richtig. Der Sieger war längst gekürt, der Verlierer hatte seine Niederlage eingestanden. Da war Florida nur eine Randnotiz des Trends pro Obama.
Sie haben Glück gehabt, die Wahlorganisatoren in Miami. Anders als im Jahr 2000 war Florida nicht das Zünglein an der Waage. Zwar zählte der Bundesstaat zu den Swing States, bei denen das Votum für einen der beiden Kandidaten als eng galt. Doch den entscheidenden Schub bei den Wahlmännerstimmen bekam Obama aus Ohio.
Allerdings ist die Erinnerung an das unwürdige Auszählungs-Hickhack von vor zwölf Jahren wieder hochgekommen. Verbunden mit der Erkenntnis, dass sich in Florida eigentlich nichts wirklich verbessert hat. Damals hatten eine Pannenserie bei Wahlmaschinen, -zetteln und –listen zu einer wochenlangen Hängepartie geführt. Am Ende lag der Republikaner George W. Bush mit angeblich gut 500 Mehrstimmen vor dem Demokraten Al Gore – in Florida und damit auch landesweit.
Doch das Demokratiebild der USA war angeschlagen. Hämisch waren die Hilfsangebote für ein professionelleres Auszählmanagement, die in Miami eingingen. Wohlgemerkt aus afrikanischen Ländern, denen die US-Administration gerne mit erhobenem Zeigefinger erklärt, wie demokratische Wahlen abzulaufen haben. Auch Verschwörungstheorien wurden bemüht, denn Gouverneur in Florida war mit Jeb Bush ausgerechnet der Bruder des letztlich siegreichen Bewerbers.
Noch fast 48 Monate bis zur nächsten Präsidentenwahl
Bis zur nächsten Präsidentenwahl sind es noch 47 Monate und drei Wochen. In der Technologiebranche ist das eine Ewigkeit mit unzähligen Innovationszyklen. Und für die Wahlverantwortlichen die Chance zum Upgrade. Denn die Ressourcen für geniale Ideen rund um Web, Apps, Touchscreens und Smartphones haben die USA ohne Zweifel.
Gefragt ist jetzt – in bester Dritte-Welt-Manier – Technologietransfer und Entwicklungshilfe für den Maschinenpark im Kreuzchen-Business: Lasst Apple, Google, Microsoft und Co. ihre Ideen ins Rennen werfen. Für Wahltechnik mit stabilem Betriebssystem, intuitiver Bedienung, manipulationssicher, dazu mit flottem Design, kurz Wahl 2.0.
Damit Wählen in einem Land mit chronisch niedriger Wahlbeteiligung mehr Spaß macht.
Damit wir schneller wie verlässliche Resultate sehen.
Damit Anspruch und Wirklichkeit der selbstapostrophierten Führungsrolle bei Demokratie und Technologie in Übereinstimmung gebracht werden.
Ran ans Werk, am 8. November 2016 wollen wir sie sehen, die Wahl-Hochtechnologie „made in USA“.
Video: So hätte Homer Simpson gewählt:

