Von Nico Schmidt

- Reuters
Es wäre ein Pauken- und gleichermaßen ein Rückschlag: Seit Dienstagabend machen Medienberichte die Runde, die Allianz von Opel und PSA Peugeot-Citroen drohe zu scheitern. Sogar einen neuen Partner sollen die Franzosen schon gefunden haben, nämlich den indischen Autobauer Tata. Die mediale Verwirrung ist groß.
Denn wenn man sich die Berichte genauer anschaut, dann rudern einige Beobachter bei den Spekulationen zurück, die andere geschürt haben. Eine Art mediale Abrüstung also. Denn die meisten Berichte drehen sich nicht um die bisher vereinbarte Kooperation zwischen Opel und PSA, sondern um mögliche tiefergehende Verzahnungen, die beide Traditionskonzerne angeblich planen. Angeblich, weil es mehr als Medienspekulationen in diesem Zusammenhang noch nicht gab. Die Unternehmen äußerten sich nicht offiziell dazu. Ob es aber um die Zusammenarbeit an sich oder um den Grad der Zusammenarbeit geht, macht mehr als nur einen semantischen Unterschied.
Denn würde die zu Jahresbeginn besiegelten deutsch-französischen Kooperation in den Bereichen Logistik, Einkauf und Fahrzeugentwicklung scheitern, wäre das in der Tat ein herber Rückschlag für alle Beteiligten. Immerhin 1,5 Milliarden Euro sollen ab 2016 jährlich gespart werden – und eben jener Betrag dürfte bei der bis Mitte der Dekade geplanten Rückkehr Opels in die (operative) Gewinnzone einkalkuliert sein. Darüber hinausgehende Einsparungen durch weitere Kooperationsschritte würden dagegen wohl eher ein Zubrot sein.
Entsprechend deutlich dementierte man in Rüsselsheim Berichte, die vor einem Scheitern der Zusammenarbeit an sich warnen: “Die Allianz macht die Fortschritte, die wir uns versprochen haben”, sagte ein Sprecher. In Sachen Logistik und Entwicklung gemeinsamer Plattformen sei schon Vollzug gemeldet worden, beim Einkauf solle es bis zum Jahresende soweit sein. Kein Grund zur Panik also, so die eigentliche Botschaft von gestern und heute.
Allerdings sind die Beteiligten nicht ganz unschuldig an den aufkommenden Spekulationen über die Chancen auf weitergehende Projekte. Beide Seiten hatten stets klar gemacht, dass mit den vereinbarten Kooperationsprojekten noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein muss. Auch GM-Vize und -Europa-Chef Steve Girsky sagte unlängst, dass man sich über weitere Potenziale Gedanken mache. Kein Wunder also, dass in den Medien spekuliert wird, ob beispielsweise gemeinsam entwickelte Autos irgendwann auch irgendwo vom selben Band laufen könnten. Bis zu einem Joint Venture sollen die Gedankenspiele der Protagonisten zuletzt gegangen sein.
Dass in diesem Umfeld die Nachricht über Staatshilfen für den PSA-Konzern die Verwirklichung solcher Gedankenspiele weiter erschwert, ist beinahe selbstverständlich. Denn im Gegenzug für die Staatsknete wird der Einfluss Frankreichs und der Arbeitnehmer beim Autobauer größer. Und dass der dringend notwendige Personalabbau mit der gestärkten Position von Staat und Gewerkschaften nur schwer umzusetzen sein dürfte, ist wohl kein Geheimnis.
