Von Andreas Plecko

- Associated Press
- Paula Broadwell bereitet das Abendessen vor. Ihre Eifersucht auf eine vermeintliche Konkurrentin ließ aus der Liebschaft zum CIA-Chef eine Staatsaffäre werden. Jetzt hat Amerika den Salat.
Die Affäre um den Ex-CIA-Chef David Petraeus hat alle Zutaten einer schmierigen Seifenoper – Macht, Sex, Eifersucht, Intrigen und unglaubliche Verirrungen und Verstrickungen. Was bisher geschah: Petraeus, der strahlende Kriegsheld aus Afghanistan und Irak, unterhält eine außereheliche Affäre mit seiner Biographin Paula Broadwell.
Das Drama nimmt seinen Lauf, als Jill Kelley, eine langjährige Freundin der Familie Petraeus, anonyme Drohungen per E-Mail bekommt. Kelley schaltet das FBI ein. Das findet heraus, dass die E-Mail-Drohungen von Broadwell stammen. Broadwell hält Kelley nämlich fälschlicherweise für eine Nebenbuhlerin und will Petraeus für sich.
Doch Kelley selbst korrespondiert mit John Allen, Petraeus’ Nachfolger als US-Befehlshaber in Afghanistan. Das Pentagon fischt bis zu 30.000 potentiell „unangemessene“ E-Mails der beiden aus Computern. Kelley versucht, die FBI-Ermittlungen zu stoppen, doch es ist zu spät. Die Sache kommt ans Licht. Beide Generäle und beide Frauen sind verheiratet.
Petraeus tritt als CIA-Chef zurück, die geplante Ernennung von Allen als NATO-Oberbefehlshaber in Europa wird vorerst auf Eis gelegt. Hier endet vorläufig die ganze Affäre. Unter der Überschrift „US-Generäle geraten ins Kreuzfeuer eines Zickenkrieges“ könnte sie als Drehbuch für eine Vorabendserie dienen.
Es gibt jedoch noch einen zweiten Aspekt: Schon Jahre vor der Affäre war General Petraeus in gewissen politischen und militärischen Zirkeln der USA der Spitzname “General Betray us” verpasst worden. Nach Ansicht der Namensgeber hatte sich der General die Bezeichnung 2007 verdient, als er im Irak das Kommando übernahm.
Petraeus hatte sich für den Posten empfohlen, weil es ihm als Befehlshaber der 101. Luftlandedivision gelungen war, die Lage in der sehr gewalttätigen Millionenstadt Mosul zu beruhigen. Mit einer neuen Strategie wollte Petraeus die „Köpfe und Herzen der Iraker“ gewinnen.
Petraeus gelang es tatsächlich, den Krieg aller gegen alle im Irak zu beenden, und er wurde dafür als „bester Soldat seiner Generation“ gerühmt. Aber das gefeierte Ende des Bürgerkriegs verdeckte, dass die USA alle ursprünglichen Ziele im Irak verfehlten. Sie verloren nämlich den Krieg und haben in dem Land heute so gut wie keinen Einfluss mehr. Ein ähnliches Schicksal droht den Amerikanern in Afghanistan.
Mit der Zickenkrieg-Affäre dürfte der Name “General Betray us” jetzt wohl endgültig an Petraeus kleben bleiben.
