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Banken: Gefährdet wie ein Luftballon

dapd

Banken unterscheiden sich in drei Punkten von anderen Wirtschaftsunternehmen. Sie sind so entscheidend, dass daraus weit reichende Konsequenzen für ihre Kontrolle erwachsen.

Erstens produzieren Banken keine Gegenstände, die gefahren, angefasst oder gegessen werden können. Ihre Produkte sind substanzlos und abstrakt. Daraus folgt, dass die Menschen auf die Werthaltigkeit ihrer Produkte vertrauen müssen – umso mehr, weil Finanzprodukte mitunter erst nach Jahrzehnten ihren wahren Wert offenbaren. Ein Mercedes ist im wahrsten Sinn des Wortes ein Erfahrungsprodukt, ein Wertpapierfonds hingegen ein Vertrauensgut.

Zweitens ist es für einen gewöhnlichen Wirtschaftsbetrieb eine positive Nachricht, wenn ein Konkurrent zusammenbricht. Dann winken größere Marktanteile und weniger Wettbewerb. Für eine Bank hingegen ist die Pleite eines anderen Instituts eine Schreckensnachricht. Wegen des verlorenen Vertrauens und der starken Vernetzung der Banken untereinander kann es leicht zu einer Kettenreaktion im Finanzsystem kommen, bei der die Banken wie Dominosteine fallen.

Drittens steht im Zentrum der Tätigkeit von Banken das Geld, das seinerseits auf blankem Vertrauen gründet. Münz-, Papier- und Buchgeld haben an sich keinen Wert. Nur wenn die Gesellschaft auf den Tauschwert vertraut, kann es seine Funktion erfüllen. Selbst das Warengeld, zu dem auch gold- oder silberhaltige Kurantmünzen zählen, basiert auf dem Vertrauen in die Wertbeständigkeit des Materials – was sich aber ändern kann, wie das Beispiel der Kauri-Muscheln zeigt, die nur noch musealen Wert haben.

Das Bank-, Finanz- und Geldwesen ist also ein äußerst fragiles Gebilde. Es steht und fällt einzig und allein mit dem Vertrauen, das die Menschen darin setzen. Das Vertrauen aber ist wie ein Luftballon – ein winziges Loch nur zerstört die ganze Pracht.

In der modernen Finanzwelt kommt hinzu, dass viele Banken bis auf das Äußerste aufgebläht sind. Die Royal Bank of Scotland beispielsweise kam 2008 auf eine Bilanzsumme von 2,4 Billionen Britischen Pfund. Der Verlust, der sie zu Fall brachte, entsprach lediglich 0,3 Prozent dieser Bilanzsumme – oder 8 Milliarden Pfund. Auch in dieser Hinsicht genügt also ein winziges Loch, um eine moderne Bank platzen zu lassen.

Und das derzeitige Bankensystem ist anfällig für menschliche Schwächen. Nicht umsonst ist in der Wissenschaft die Rede von der „moralischen Versuchung“, die eine implizite Staatsgarantie für einzelne Banker darstellt. Gedacht ist sie dazu, das Vertrauen in das System zu stärken. Genutzt wird die Garantie dazu, erhöhte Risiken einzugehen, weil die Akteure darauf vertrauen dürfen, dass der Staat im Zweifelsfall als Retter einspringt.

Nach der Finanzkrise ist das Vertrauen in das Finanzwesen sehr brüchig geworden, und es ist fraglich, ob es in dieser Generation noch einmal zurückkehrt. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, hat jüngst beklagt, dass den Vertretern der Kreditwirtschaft sogar aus anderen Wirtschaftskreisen „ohnmächtige Verachtung“ entgegenschlägt.

Doch es wäre zu kurz gesprungen, den Bankern die ganze Schuld an der Misere zu geben. Banker sind auch nur Menschen, die anfällig für Schwächen und Fehler sind. Wie in der Atomindustrie aber dürfen auch im modernen Bankensystem keine schweren Fehler passieren. Da die Natur der Menschen nicht zu ändern ist, bedarf das Finanzsystem einer gründlichen Reform.

Die bisherigen Ansätze sind viel zu zaghaft und setzen auch noch an der falschen Stelle an. Es genügt nicht, das Eigenkapital der Kreditinstitute ein wenig zu stärken. Die beiden Grundprobleme der Banken, die wechselseitige Vernetzung und die systemische Übergröße, werden so nicht gelöst.

Nach einer Studie der ETH Zürich haben Banken die Auflagen für höhere Eigenkapitalquoten sogar genutzt, um sich untereinander noch stärker zu verbinden. Schon eine vergleichsweise kleine Bank kann jetzt das System wegen der wechselseitigen Abhängigkeiten zum Kollaps bringen, nicht nur übergroße Institute. Die Forscher der ETH Zürich kommen zu dem Schluss, dass die Banken diese Strategie ganz bewusst betreiben, damit sie in jedem Fall gerettet werden.

Kurzes Fazit: Da die Banken sich so sehr von anderen Wirtschaftsunternehmen unterscheiden, müssen für sie auch andere Regeln gelten. Die Stoßrichtung muss sein, ihre gegenseitige Vernetzung zu durchbrechen und ihre Größe zu beschränken. Nur so ist die nächste Krise wirksam zu verhindern.

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Kommentare (1 aus 1)

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    • target2 mit 1 Billion, faule kredite 1 billion, Giftpapiere 4 Billionen, nicht abgeschriebene verluste und nötige Bilanzkorrekturen 4 Billionen, machen 10 Billionen Miese. dagegen stehen 10 billionen Volksvermögen. hahaha.

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