Von Susann Kreutzmann

- dapd
- Handzahm: Horst Seehofer auf dem CDU-Parteitag in Hannover.
Der Auftritt von Horst Seehofer auf dem CDU-Parteitag glich dem Einzug der Gladiatoren. Die Delegierten unterbrachen sogar ihre Beratung, um den Vorsitzenden der bayerischen Schwesterpartei standesgemäß zu begrüßen. Doch was dann geschah, überraschte selbst hartgesottene Parteigänger. Voll des Lobes war der ansonsten für seine Granteleien und Provokationen bekannte Seehofer für Parteichefin Angela Merkel. „Du bist unsere Nummer eins. Wir sind stolz auf Dich“, säuselte er in Richtung Kanzlerin, die auf dem Podium saß. Danach gratulierte er Merkel zu ihrem „kubanischen Wahlergebnis“ und sorgte damit für Heiterkeit im Saal. Auch Merkel konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Merkel wurde am Dienstag mit rund 98 Prozent der Delegiertenstimmen im Amt der Parteivorsitzenden bestätigt.
Zuckersüß und handzahm ging es weiter. Da ja jetzt Wahlkampf sei, sei die CSU fest entschlossen, ein „schnurrendes Kätzchen“ und kein „brüllender Löwe“ zu sein, versprach Seehofer den staunenden Delegierten. Soll heißen: Nein, aus Bayern sind keine Pöbeleien mehr zu Griechenland und keine Querschüsse beim Euro-Rettungskurs der Kanzlerin zu erwarten. Auch die Quartalsdrohung nach Koalitionsbruch soll damit wohl ausbleiben. Merkel wird es beruhigen, musste sie doch im Sommer bei den europäischen Staats- und Regierungschefs nach den bayerischen Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für Beruhigung sorgen.
Doch Horst Seehofer wäre nicht er selbst, wenn er seine Ansprache nicht mit Ironie gewürzt hätte. Das sei jetzt die „Abteilung Unterwerfung“ gewesen, beendete die Lobeshymnen, um zum anstehenden Wahlkampf zurückzukehren. „Es ist angerichtet für das Finale 2013“, rief er aus und gab den Delegierten den Rat, jegliche schwarz-grünen Koalitionsdiskussionen zu unterlassen. „Ich halte es mit dem FC Bayern“ sagte er. Das Motto sei: „Wir schauen nicht auf andere, wir schauen nur auf uns selbst.“
