Von Andreas Plecko

- dapd
Die Euroretter scheinen die Währungskrise nach vielen Irrungen und Wirrungen so allmählich doch in den Griff zu bekommen. Das zeigen die Aktienkurse und die Notierungen für Staatsanleihen – und auch der Sprachgebrauch. Der leicht ironische Begriff “Rettungsroutine” ist von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2012 gekürt worden. “Rettungsroutine” stehe für die immer wiederkehrenden Maßnahmen zur Rettung des Finanzsystems, begründete die Gesellschaft ihre Wahl.
Im Jahr zuvor hatten die Sprachforscher den Begriff “Stresstest” als das Wort auserkoren, das den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet habe. Auch in der Abfolge macht die aktuelle Auswahl der Wörter Sinn: Nach dem Stress kommt die Routine. Und nach der Routine kommt die Langeweile.
Schon der große Satiriker Kurt Tucholsky meinte: “Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, dass Menschheitsprobleme ‘gelöst’ werden. Sie werden von einer gelangweilten Menschheit liegen gelassen.” Oder einfach zur Routine erklärt.
Und über der Routine thront die “Kanzlerpräsidentin” – diese Bezeichnung für die Bundeskanzlerin Angela Merkel setzten die Sprachforscher für das Jahr 2012 an die zweite Stelle. Und mit einer routinierten Rettungskanzlerpräsidentin kann gar nichts mehr schief gehen.
Die Wörter des Jahres 2012
- Rettungsroutine
- Kanzlerpräsidentin
- Bildungsabwendungsprämie
- Schlecker-Frauen
- wulffen
- Netzhetze
- Gottesteilchen
- Punk-Gebet
- Fluch-Hafen
- ziemlich beste…
