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Mehr Kuchen in Chinas eiserner Reisschüssel

Seit einigen Jahren verstärkt sich der Verteilungskampf in China. Das ist kein Wunder, schließlich gibt es mit dem rasanten Wirtschaftswachstum mehr und mehr zu verteilen. Der große Sprung nach vorn, der China nach dem katastrophalen Fehlstart zwischen 1958 und 1961 nun wirklich gelungen ist, hat aber auch zu einem steilen sozialen Gefälle geführt, das in dem autoritär geführten Land erstaunlich offen diskutiert wird.

Im politischen Diskurs des Einparteienstaates haben sich zwei Lager herausgebildet. Der Fraktion aus der zentralchinesischen Millionenstadt Chongqing schwebt eine linke Version für die chinesische Zukunft vor, und sie plädiert für eine gerechte Verteilung des Kuchens. Die marktorientierte Gruppe aus der südchinesischen Küstenprovinz Guangdong besteht hingegen darauf, erst den Kuchen zu vergrößern und dann über eine Verteilung nachzudenken.

Agence France-Presse/Getty Images
In China klafft die Einkommensschere immer weiter auf. Daher diskutiert das Reich der Mitte die “Kuchenfrage”.

Diese Debatte läuft in China unter dem Begriff „Cake Theory“ und manche Beobachter vertreten die Ansicht, dass die „Kuchenfrage“ zu einer ideologischen Spaltung in der Kommunistischen Partei Chinas geführt hat. Der zunehmend scharf geführte Konflikt soll bis in die obersten Parteispitzen reichen.

Der ideologische Konflikt tauchte Ende 2011 erstmals in aller Öffentlichkeit auf, als der Parteichef von Guangdong, Wang Yang, erklärte: „Wir müssen erst den Kuchen größer machen, bevor wir ihn teilen.“ Der inzwischen gestürzte Parteichef von Chongqing, Bo Xilai, hielt dagegen: „Wenn die Verteilung des Kuchens unfair ist, dann sind die Leute, die ihn backen, nicht motiviert. Daher können wir keinen größeren Kuchen backen.“

Vor acht Jahren hatten Präsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao ihre Ämter mit dem Versprechen angetreten, eine „harmonische Gesellschaft“ zu entwickeln. Die Idee war, die Einkommen der Arbeiter und Bauern schneller steigen zu lassen – auf Kosten der Profite der staatseigenen Betriebe. Daraus wurde jedoch nichts, der Widerstand der Staatsbetriebe war zu groß.

Es scheint, dass sich eine dritte Fraktion durchgesetzt hat, die in China unter dem Begriff „eiserne Reisschüssel“ bekannt ist. Trotz einer gewissen Ähnlichkeit hat der Begriff nichts mit der „eisernen Ration“ in der deutschen Sprache zu tun. In der chinesischen Sprache wird darunter ein Arbeitsplatz verstanden, der vor Kündigung sicher ist und ein stetiges Einkommen verspricht.

Im chinesischen Kulturkreis zählen traditionell Beamte, Militär und Angestellte von Staatsunternehmen zu den Personen, die eine „eiserne Reisschüssel“ besitzen. Und nachdem nun die linken Protagonisten mit Bo Xilai ihren wichtigsten Fürsprecher in einem spektakulären Skandal verloren haben, scheinen die Zeichen darauf zu deuten, dass die „eiserne Reisschüssel“ künftig mit einem größeren Kuchen gefüllt wird.

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