Von Susann Kreutzmann

- dapd
- Vorbei an den anderen und immer aufwärts: Angela Merkel auf dem Weg zu ihrem Büro.
Siebter Stock, 140 Quadratmeter Fläche, helle Couchgarnitur. Das Büro der Bundeskanzlerin strahlt wie ihr Regierungsstil Nüchternheit aus. Stolze 2.584 Tage residiert Merkel jetzt im Kanzleramt und kann sich am heutigen Dienstag über ein besonderes Jubiläum freuen. Sie hat ihren Vorgänger Gerhard Schröder überrundet und ist jetzt einen Tag länger als der SPD-Kanzler im Amt.
Ein wenig Schadenfreude wird wohl dabei sein. Denn Schröder war es, der noch in der Wahlnacht 2005 öffentlich verkündete: „Sie werden es nie“. Auch in der TV-Elefantenrunde mochte Schröder die Realität nicht anerkennen und rief aufgebracht, man müsse die Kirche im Dorf lassen. Die Geschichte gab Merkel Recht. Und in die Tonlage des Alt-Kanzlers mischte sich in den darauffolgenden Jahren Respekt für seine Nachfolgerin. Am 22. November 2005 übergab Schröder die Amtsgeschäfte an Merkel.
Noch eine weitere Genugtuung mag man Merkel lassen. Denn sie hat neben Schröder bereits die SPD-Ikone Willy Brandt überholt, der auf viereinhalb Jahre Regierungszeit kam. Und wenn Merkel die nächste Bundestagswahl für sich entscheidet, kann sie auch SPD-Kanzler Helmut Schmidt hinter sich lassen, der immerhin achteinhalb Jahre Deutschland regierte. Nur noch Helmut Kohl mit 16 und Konrad Adenauer mit 14 Regierungsjahren wären dann vor ihr. Das nächste Ziel hat Merkel täglich vor Augen, denn über ihrem Schreibtisch hängt ein Porträt von Adenauer.

- MARCUS BRANDT/AP/dapd
- Bundeskanzlerin Angela Merkel im Februar 2006.
Dass Kanzlerschaft aber kein Wettkampf über die längste Verweildauer ist, beweist ein Blick in die Geschichte. Der Vater der sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhard wird von Merkel stets als großes Vorbild beschrieben und in fast allen ihrer Reden zitiert. Dennoch war Erhard nur drei Jahre, von 1963 bis 1966, Bundeskanzler. Auch Kurt Georg Kiesinger war nur drei Jahre im Amt (1966 bis 1969).
Mit ihren Vorgängern kann sich Merkel auch täglich beim Rundgang durch das eigene Haus auseinandersetzen. 1976 hatte Helmut Schmidt die Idee einer Kanzlergalerie. Inzwischen ist es eine staatsbürgerliche Pflicht der Altkanzler, sich porträtieren zu lassen. 2007 wurde Schröder in die Ahnengalerie aufgenommen, dargestellt von seinem Freund Jörg Immendorff als Goldjunge mit Heiligenschein. Es war eines der seltenen Zusammentreffen der Hausherrin mit ihrem Vorgänger. Doch eine launige Spitze konnte sich Schröder auch bei dieser Gelegenheit nicht verkneifen: „Irgendwann hängen wir nebeneinander.“
