Von Jürgen Hesse

- dapd
Nach dem Kampfeinsatz am Hindukusch könnte auf amerikanische Soldaten bald eine ganz andere Herausforderung warten: Ein Kühlregal bei Wal-Mart. Der amerikanische Einzelhandelsriese spielt die patriotische Karte und will in den nächsten fünf Jahren mehr als 100.000 Ex-Soldaten einstellen.
Veteranen haben dabei einen entscheidenden Vorteil für Wal-Mart-Chef Bill Simon: Sie haben es gelernt, unter Druck zu arbeiten. Deshalb ist die Vergabe eines Jobs an einen ehemaligen Soldaten eine der besten unternehmerischen Entscheidungen, die ein Manager treffen kann, lässt sich Simon recht unbescheiden zitieren.
Welchen Druck die Veteranen bei Wal-Mart zu erwarten haben, führt ihr zukünftiger Chef nicht aus. Der Konzern war in der Vergangenheit immer wieder wegen schlechter Arbeitsbedingungen und geringer Entlohnung in die Schlagzeilen geraten. Der Vorstoß ist offenbar der Versuch, das eigene Image zu verbessern: Die USA ziehen sich im großen Stil aus dem Kampfeinsatz in Afghanistan zurück, und hunderttausend zusätzliche Jobs für die Rückkehrer kann Präsident Barack Obama gut gebrauchen. Wal-Mart hat sogar schon Kontakt zur First Lady im Weißen Haus aufgenommen: Das Team von Michelle Obama habe sich “interessiert” gezeigt, rühmt sich der Konzern.
Interessierte Veteranen müssen auf einen Job bei Wal-Mart allerdings noch etwas warten. Erst im Mai, am “Memorial Day” will die Einzelhandelskette mit den Einstellungen beginnen. An diesem Feiertag gedenken die USA jedes Jahr ihrer Gefallenen. Ein gutes Datum, um den Kampfeinsatz am Kühlregal bei Wal-Mart anzutreten.
