Von Nico Schmidt
Ferdinand Piëch ist für seine nebulösen Ankündigungen berühmt – und berüchtigt. Gerne lässt der Volkswagen-Patriarch in einem Nebensatz Worte fallen, die die gesamte Branche in Aufruhr versetzen. In einem jüngst veröffentlichten Interview mit dem ADAC-Magazin Motorwelt war es wieder einmal soweit.
Auf die Frage, mit welchem Auto seine zwölf Kinder in zehn Jahren unterwegs sein werden, antwortete Piëch: „Auf jeden Fall mit einem aus den mindestens 13 Marken unseres Konzerns“.

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- Ferdinand Piech und seine Frau Ursula. Foto: Jens Schlueter/dapd
An sich scheint diese Aussage nicht besonders aufregend zu sein. Doch, Moment, überlegt vielleicht der autointeressierte Leser. Wie viele Marken hat der Weltkonzern aus Wolfsburg derzeit eigentlich?
Zählen wir durch: VW, Audi, Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, MAN, Scania und Ducati. Rechnet man noch VW Nutzfahrzeuge als eigene Marke dazu, ist genau ein Dutzend voll. Fehlt also mindestens eine Marke, um auf die 13 zu kommen, zwischen denen die Piech-Kinder wählen werden.
Nun lässt sich trefflich darüber spekulieren, wo VW seine fortgesetzte Einkaufstour fortsetzen könnte. Werden die Niedersachsen einen weiteren Versuch starten, Alfa Romeo von Fiat loszueisen, obwohl sich Vorstandschef Sergio Marchionne mehrfach unwillig zeigte, die Sportwagenmarke aufzugeben?
Oder ist Marke mit der Nummer 13 – und hier würde es spannend – vielleicht eine neue Marke für das Einstiegsauto in Schwellenländern, über die in der Branche spekuliert wird? Vorstandschef Martin Winterkorn machte vor wenigen Wochen zumindest deutlich, dass eine solche Marke wohl eher nicht den Namen Volkswagen tragen wird.
In Wolfsburg gibt man sich schmallippig und will sich nicht zu den Aussagen des Strippenziehers äußern. Denn auch das ist typisch Piëch: Konkreter wurde er in dem Interview nicht. Er beließ es bei einer Andeutung.
Eines sollte aber klar sein: Die Wahrscheinlichkeit, dass Piëch eine solche Andeutung zufällig macht, auch in einem Publikumsmagazin wie der Motorwelt, wo es den meisten Lesern entgeht, tendiert gegen Null. Der Österreicher überlässt nichts dem Zufall. Ein Beispiel: Auf der IAA in Frankfurt sagte er auf die Frage nach der künftigen Konzernstruktur, dass ein Dutzend sich gut merken lasse. Heute hat VW wie oben aufgezählt zwölf Marken.
Auf dem Genfer Autosalon, der in knapp einem Monat stattfinden wird, sollte alleine das Interview des VW-Firmenpatriarchen in einem Club-Magazin für ausreichend Gesprächsstoff gesorgt haben. Vielleicht legt Piëch in der Schweiz ja sogar noch einmal nach. Schließlich nutzt er die erste Branchenmesse des Jahres in Europa gerne als Bühne. Eins ist aber auf jeden Fall sicher: Es bleibt spannend bei Volkswagen.
