Von Andreas Plecko
Nun ist es tatsächlich passiert, was immer nur als Witz unter Finanzjournalisten gehandelt worden ist: Moody’s hat Standard & Poor’s (S&P) abgestuft. “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus”, war bislang die Standardantwort auf die Frage, warum die Ratingagenturen, die während der Finanzkrise wegen katastrophalen Fehlurteilen unter heftigen Beschuss gerieten, sich nicht gegenseitig herunterstuften.

- Reuters
- Moody’s hat dem Konkurrenten S&P einen Denkzettel verpasst.
Nach der Klage des US-Justizministeriums gegen S&P hat jetzt aber Konkurrent Moody’s die Kreditwürdigkeit der S&P-Muttergesellschaft McGraw-Hill um zwei Stufen auf Baa2 gesenkt. Die Bonitätsnote ist damit nur noch zwei Schritte vom Ramschstatus entfernt. Und es droht sogar eine weitere Herabstufung, denn der Ausblick für das Rating ist negativ.
Kritiker behaupten, das Geschäftsmodell der Ratingagenturen fuße auf einem handfesten Interessenskonflikt: Denn ihr Geld bekommen die Kreditwächter ausgerechnet von den Unternehmen, deren Papiere sie bewerten. Das war zum Start der Ratingagenturen anders, der Gründer von Moody’s, John Moody, verkaufte um 1900 seine Bewertungen an die Geldanleger. Es wird gesagt, die Ratings seien damals viel zuverlässiger gewesen, hätten aber weniger Geld eingebracht.
Der Grund für die S&P-Abstufung war natürlich nicht der eingebaute Interessenskonflikt, sondern die Klage des US-Justizministeriums, die nach Meinung von Moody’s ein erhebliches Risiko darstellt. Der US-Generalstaatsanwalt Eric Holder verlangt von S&P eine Strafzahlung von 5 Milliarden US-Dollar. Im Zentrum der Klage stehen Bonitätsnoten für Hypothehentitel. S&P hatte den Papieren, die sich letztlich als Schrottpapiere herausstellten, ein Spitzenrating verpasst.
Vielleicht dauert es nicht lange, bis S&P zurückfeuert. Derzeit bewertet S&P den Konkurrenten Moody’s mit BBB+. Damit rangiert Moody’s eine Stufe höher als S&P. Doch sollte das US-Justizministerium weitere Ratingagenturen aufs Korn nehmen, dann könnte sich das rasch ändern.
