Von Steffen Gosenheimer
Die Börse hat immer recht, lautet ein Bonmot. Nun muss man diesen Weisheiten nicht immer folgen, zumal es deren viele und auch widersprüchliche gibt. Aber ins Grübeln konnte man am Donnerstag zur Eröffnung des Handels schon kommen. An einem Tag gespickt mit einer Flut von Unternehmenszahlen wollten viele Kurse einfach nicht so, wie sie eigentlich hätten sollen.
Der spanische Telekomriese Telefonica hat operativ die Erwartungen zwar in etwa erfüllt, beim Nettogewinn im vierten Quartal aber deutlich schwächer abgeschnitten als gedacht. Wer dachte, die Aktie würde unter diesen schwachen Zahlen leiden sah sich getäuscht. Um gut zwei Prozent ging es für den Kurs nach oben.

- dapd
- Augenreiben an der Börse: Viele Kurse laufen überhaupt nicht so, wie sie eigentlich sollten.
Der deutsche Pharmariese Bayer traf die hochgesteckten Erwartungen des Marktes mit seinen Geschäftszahlen ebenfalls nicht ganz. Zudem monierten Aktienhändler den Ausblick, der nur ein Wachstums im “mittleren einstelligen Bereich” vorsieht, während der Markt mit einem Plus von acht Prozent rechnete. Die Aktie scherte das nicht, sie mauserte sich mit einem Plus von rund 3 Prozent zum Top-Wert im Dax.
Der niederländische Einzelhändler Ahold dagegen hat die Dividende erhöht und einen Aktienrückkauf angekündigt. Für Partylaune an der Börse ist das kein Grund: Der Kurs verlor 1,3 Prozent.
Bis zum Abend kann alles drehen – oder auch nicht
Augenreiben auch bei der Kursentwicklung von Adva im deutschen Technologieindex TecDax. Der Anbieter von Infrastruktur-Lösungen für Telekommunikationsnetze hat für das vierte Quartal Zahlen ausgewiesen, die zwar schlechter ausgefallen sind als vor Jahresfrist. Zugleich lagen sie aber deutlich über den Konsensschätzungen von Analysten. Die fanden zwar ein Haar im Ausblick des Unternehmens, dass der Kurs deswegen in der Spitze um 12 Prozent einbrach, überraschte dann aber doch – ebenso wie das deutliche Kursplus bei Aixtron. Schließlich hatte der Hersteller von Maschinen zur LED-Produktion miserable Viertquartalszahlen vorgelegt und zum Ausblick gab es wenig positives zu hören. Börsianer focht das nicht an. Sie kauften die Aktie und trieben den Kurs um 4 Prozent nach oben.
Fast wirkt es, als hätte an der Börse jemand mutwillig den Kauf- und den Verkauf-Knopf vertauscht. Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende des Tages alles wieder ganz anders aussieht – oder eben auch nicht.
Allen Anlegern, die aufs falsche Pferd gesetzt zu haben scheinen, sei daher mit einer anderen Weisheit Mut gemacht: An der Börse kriegt irgendwann jeder recht.

In der Tat scheint lange bereits verkehrte Welt zu herrschen an den Börsen der Welt.
Alles geht immer nur aufwärts – während sichtbar Rezession sich ausbreitet.
Man möchte meinen, daß das schon von Reagan gesetzlich installierte Plunge Protektion Team fleißig seine Arbeit verrichtet.
Ein wachsamer Blick auf die Kursverläufe der (besonders US-) Börsen schon bei den Futures offenbart eine Systematik von Kursvesteifungen, die auffallen müssen.
Täglich, ja stündlich bereits, fragt man sich, wann diese Exzesse in sich zusammen brechen, denn dies ist ihr Schicksal immer gewesen.