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Gerhard Cromme: Kein Wort des Bedauerns

dapd
Berthold Beitz und Gerhard Cromme im Januar 2013.

Das Foto ist gerade sieben Wochen alt. Es ist darauf zu sehen, wie sich Berthold Beitz, die 99-jährige Eminenz bei Thyssen-Krupp, im Wortsinn hinter Aufsichtsratschef Gerhard Cromme stellt. Die Aufnahme zeigt eine Szene, die sich den Fotografen womöglich nicht noch einmal bietet.

Cromme hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Manches spricht dafür, dass Beitz ihm die Rückendeckung entzogen hat.

Dabei waren Cromme und Beitz lange unzertrennlich. “Cromme bleibt”, ließ sich Beitz noch im Dezember im “Handelsblatt” zitieren. Damals lagen die Probleme von Thyssen-Krupp schon auf dem Tisch: die illegalen Preisabsprachen auf dem Schienenmarkt, die fragwürdigen Journalistenreisen, das Milliardendesaster um Stahlwerke in Amerika. Wie auch immer. Cromme blieb Chef des Aufsichtsrats – und stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung. In der Thronfolge bei Thyssen-Krupp war Cromme weiter auf Platz eins: Er blieb der wahrscheinliche Nachfolge von Beitz, dem Chef des Großaktionärs Krupp-Stiftung.

Nun also hat Beitz den 29 Jahre jüngeren Cromme bei Thyssen-Krupp überlebt.

Und was sagt Beitz? Die Krupp-Stiftung zitiert ihn knapp: Beitz habe die Entscheidung Crommes “mit großem Respekt angenommen”. Die “langjährige enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit” mit Cromme habe “auch in solchen Zeiten festen Bestand gehabt, in denen für die weitere Entwicklung des Unternehmens Krupp schwierige Entscheidungen getroffen werden mussten”. “Dafür gilt Cromme mein aufrichtiger Dank”, zitiert die Stiftung ihren Chef.

Es geht der Mann, der 27 Jahre lang Krupp und Thyssen-Krupp geprägt hat – und Beitz findet kein öffentliches Wort des Bedauerns. Sein Dank gilt Cromme, weil der als Krupp-Chef schwierige Entscheidungen getroffen hat. Doch Cromme erlebte erst recht schwierige Zeiten nach der Fusion von Thyssen und Krupp.

Die Spekulationen blühen schnell am Mittag des Rücktritts. Fest steht: Beitz hat unschöne Szenen erlebt an dem Tag, an dem er sich im Rücken von Cromme fotografieren ließ. Da buhten und pfiffen Aktionäre. In der vergangenen Woche musste Beitz auch noch erfahren, dass die Liste der Skandale bei Thyssen-Krupp noch einmal länger werden könnte: Das Bundeskartellamt hat schon wieder Akten mitgenommen. Es droht ein weiterer Kartellfall – diesmal um Automobilstahl.

Beitz kann das nicht gefallen.

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