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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Fünf IT-Trends, die jeder Manager kennen sollte

Neue Technologien wirbeln die Firmenwelt durcheinander. In den Datenbergen, die heute in Unternehmen anfallen, lauern wahre Schätze, Social Media krempelt die PR-Arbeit um, und das Internet ermöglicht Marktforschung an tatsächlichen Kunden. Fünf wichtige Trends, die die Geschäftswelt verändern im Überblick.

Big Data

Amazon und Google machen es vor: Die Internet-Riesen verwandeln Daten in Profite. Doch eine Aufarbeitung kann nicht nur IT-Firmen helfen – in jedem modernen Unternehmen fallen heute Daten an, deren Analyse wertvolle Entscheidungshilfen geben kann. Gleichzeitig werden Hard- und Software, um auch riesige Mengen an Daten in Echtzeit zu analysieren, immer erschwinglicher.

Auch dank mobiler Smartphone- und Tablet-Revolution fallen immer mehr Daten an, viele davon maschinell erzeugt. Eine systematische Auswertung mittels Software kann helfen, Unternehmensentscheidungen zu optimieren – sei es bei der Marktforschung oder auf dem Finanzsektor. Flughäfen beispielsweise nutzen die Analyse von vielen Daten in Echtzeit, um die Ankunft von Flugzeugen besser planen und dadurch effizienter arbeiten zu können.

Die populäre Open-Source-Lösung Hadoop ist sogar kostenlos und läuft als Java-Programm auf allen Plattformen. Hadoop setzt auf Parallelisierung. So muss die Software die Daten nicht auf einem einzigen Großrechner verarbeiten, sondern nutzt stattdessen Computer mit Standard-Hardware, die zu einem Netzwerk zusammengeschlossen sind. Unter anderem auch Facebook, Baidu, Yahoo und IBM setzen bei der Analyse ihrer Daten auf Hadoop.

Laut einer Studie im Auftrag des Magazins „Havard Business Manager“ erzielen Unternehmen, deren Entscheidungen datengetrieben sind, bessere Ergebnisse. Allzu oft werde noch nach dem „HiPPO-Prinzip“ entschieden, kritisieren die Autoren. HiPPO steht für „highest paid person’s opinion“ – die Meinung des bestbezahlten Managers zählt. Oft würde die Analyse von Daten auch nur dafür verwendet, bereits nach dem „HiPPO-Prinzip“ getroffene Entscheidungen mit Daten zu rechtfertigen.

Die Aufbereitung derartiger Daten, um daraus Unternehmensentscheidungen abzuleiten, wird auch als Business Intelligence bezeichnet. Mit der Verbreitung von Tablets und Smartphones wird die Business Intelligence zunehmend mobil. Die Daten wandern immer mehr in die Cloud und können so mit der richtigen Software-Lösung auch unterwegs via Internet abgerufen werden. Auf diese Weise können Manager auch unterwegs immer auf Unternehmensdaten als Stütze für Entscheidungen zurückgreifen. Die Marktforscher von Gartner schätzen, dass in wenigen Jahren schon ein Drittel aller Analysen von Unternehmensdatenbanken mobil via Smartphone oder Tablet abgerufen werden.

Social-Media-Marktforschung

Wer heute Marktforschung zu existierenden Produkten betreiben will, braucht keine künstlich zusammengestellten Focus-Gruppen mehr. Die Menschen bewegen sich im Netz – und sprechen dort über Marken und das Unternehmen. Um diese öffentlich in Foren, sozialen Netzwerken und Blogs geäußerten Meinungen auszuwerten gibt es zahlreiche Software-Tools wie Radian6 von Salesforce, Scoutlabs, The Search Monitor oder Buzzlogic.

Auch Werbung und PR haben sich darum gewandelt.  „Märkte sind Gespräche“, stellte bereits das 1999 veröffentlichte „Cluetrain Manifesto“ fest, das sich mit den bevorstehenden Auswirkungen des Internets auf Unternehmen beschäftigte. Vieles, was das Manifest damals für Unternehmen vorhersagte, bewahrheitete sich. Zum Beispiel die Behauptung, Unternehmen müssten durch das Internet vermehrt in einen direkten ehrlichen Dialog mit den Kunden treten, statt sich hinter Werbebotschaften zu verstecken.

Spätestens seit sich das Wort „Shitstorm“ im deutschsprachigen Raum etabliert hat, wissen Unternehmen auch hierzulande, dass sich das Internet gut für die Organisation von Empörungswellen eignet – seien sie gerechtfertigt oder nicht. Durch Social-Monitoring-Tools könnend derartige Krisen von Unternehmen entdeckt werden, bevor sie sich zu einem „Shitstorm“ ausweiten. Derartige Software kann auch analysieren, welche Personen bei einem bestimmten Thema bei Facebook, Twitter oder mit einem Blog tonangebend sind. Ein Öl- und Gasunternehmen aus Kanada nutzt Radian6 von Salesforce beispielsweise, um Rädelsführer von Ökoprotesten ausfindig zu machen und mit diesen den direkten Dialog aufzunehmen.

Wohin es gehen könnte, zeigt die Google-Seite Grippe-Trends. Google hat festgestellt, dass die Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe ein Anhaltspunkt für die Häufigkeit von Grippefällen sein kann. Mehrere Wissenschaftlicher rund um der Welt haben der Technik bereits attestiert, dass sie ein zusätzlicher guter Indikator ist, um bevorstehende Epidemien vorherzusagen.  Vielleicht gibt es schon bald eine Software, die auch für das Marketing interessante Trends in ähnlicher Weise vorhersagen kann.

A/B-Test                         

Unternehmen nutzen bislang oft noch nicht die Möglichkeiten zum Experimentieren, die ihnen das Internet bietet. Aus der klassischen Marktforschung ist der A/B-Test bekannt. Dabei müssen zufällig ausgewählte Probanden aus zwei Varianten eines Produkts wählen. So wird überprüft, welches besser ankommt.

Im Internet lässt sich der A/B-Test jederzeit mit den realen Kunden als Probanden durchführen: Zwei unterschiedliche Versionen einer Website werden den Besuchern nach dem Zufallsprinzip angezeigt. Welche der beiden Versionen generiert mehr Umsätze? Lässt  sich durch eine andere Formulierung die Zahl der Abbrecher beim Bestellvorgang reduzieren? Bei welcher Version der Website wirkt die Werbung besser? Welche Website wird länger betrachtet? Als das lässt sich unter realen Bedingungen mittels A/B-Test feststellen. Experimentiert werden kann dabei unter kontrollierten Bedingungen mit allem – vom Design über das Angebot bis zu den Texten.

Freie Software

Chromebook von Samsung mit Googles Chrome OS. Das Betriebssystem basiert ebenso wie Googles Smartphone-System Android auf Linux.

Als sich Ende des vergangenen Jahrtausends die Dotcom-Blase aufblies, mussten neue Internet-Start-ups noch viel Geld investieren. Allein die Anschaffung einer Datenbank-Lizenz kostete schon 30.000 Dollar und mehr. Heute nutzen die allermeisten Start-ups kostenlose Open-Source-Software. Doch auch in vielen etablierten Unternehmen ist der Einsatz von freier Software – das sind Anwendungen, die dem Nutzer das Recht geben, den Programmcode einzusehen, beliebig zu verändern und weiterzugeben – an der Tagesordnung.

Für Unternehmen hat der Einsatz von freier Software und offenen standardisierten Schnittstellen Vorteile, da ein Lock-in-Efffekt – die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller – vermieden wird. In Unternehmen werden heute unter anderem Server mit dem Betriebssystemkern Linux, die Datenbanken MySQL und PostgreSQL sowie die Big-Data-Software Hadoop eingesetzt. Als Webserver-Software sind unter anderem Apache und Nginx populär.

Weiterbildung

Das Internet bietet neue Möglichkeiten der Weiterbildung für alle Mitarbeiter. Der Stanford-Professor Sebastian Thrun beispielsweise hat seine Anstellung bei der renommierten US-Universität aufgegeben und leitet nun die Online-Universität Udacity, in der zahlreiche profilierte  Professoren aus den USA ihr Wissen in Online-Video-Kursen kostenlos weitergeben. Auf Udacity sind bislang vor allem Online-Kurse in allen Bereichen der Informatik zu finden.

Salman Khan, MBA-Absolvent der Havard Business School, gab seinen gut bezahlten Job als Hedgefonds-Analyst auf, um die Online-Universität Khan Academy zu gründen. Dort gibt es kostenlose Online-Kurse zu zahlreichen Wissensgebieten – von Mathematik und Naturwissenschaften bis zur Finanzwissenschaft und Währungspolitik.

Die Online-Universitäten können auch für Bewerbungsverfahren genutzt werden. So berichtet Jean-Paul Schmetz, Chief Scientist bei Hubert Burda Media, in einem Gastbeitrag für das Magazin „Havard Business Manager“, dass er Hunderte von Datenwissenschaftlern für die Analyse von Big Data unter den Teilnehmern von Kursen der Online-Uni Udacity gefunden habe.

Auf WSJ Tech – Wie das Netz die Wirtschaft verändert berichtet WSJ.de ab jetzt regelmäßig über IT-Trends und Gadgets, welche Technik- und Geschäftswelt bewegen.

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Kommentare (3 aus 3)

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    • [...] das zu überprüfen, schlägt Ries einen sogenannten A/B- oder Split-Test vor: Zufällig ausgewählt erhält nur die Hälfte der Kunden eine neue Funktion. Anhand von [...]

    • [...] konsequente Fortführung der Standardisierung heißt Cloud Computing. Dabei werden die benötigten Rechen-Ressourcen einfach über das Internet bezogen – nach Bedarf. [...]

    • [...] zu speichern und zu lesen. Das ermöglicht neue Anwendungen, die heute meist unter dem Stichwort Big Data zusammengefasst werden – die Analyse riesiger Datenmengen in [...]

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