Von Jörgen Camrath
Das kommt überraschend, oder doch nicht? Facebook hat am Dienstag eine neue Version seiner Messenger-App für Googles Betriebssystem Android veröffentlicht. Größte Veränderung: Man muss sich nun nicht mehr beim sozialen Netzwerk anmelden, um Text- und Bildnachrichten zu verschicken. Stattdessen reichen Telefonnummern und Namen, um mit anderen Personen Kontakt aufzunehmen. Facebook kündigte bereits an, dass ein ähnliches Update bald auch im App-Store von Apple bereitstehen wird.
Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, da Gerüchte über eine mögliche Übernahme des beliebten Kurznachrichtendienstes Whatsapp durch Facebook die Runde machen. Whatsapp ist klarer Marktführer: Bis zu 10 Milliarden Nachrichten sollen täglich über den Dienst verschickt werden. Weil die App im Gegensatz zu Facebook jedoch kostenpflichtig ist, könnte sich ein Kauf für Mark Zuckerberg durchaus lohnen. Der Chef des sozialen Netzwerkes versucht bereits seit einiger Zeit, sein Unternehmen für den mobilen Markt fit zu machen. Doch eine Patentlösung hat man bisher nicht finden können. Werbung – die für einen Großteil der Erlöse des Netzwerkes verantwortlich ist – wird auf Smartphones und Tablets bisher kaum geklickt. Ein kostenpflichtiger Dienst wie Whatsapp könnte Zuckerberg darum gut in die Karten spielen.
Möglich, dass Facebook nun seine Krallen zeigen will. Dass man den Eigentümern von Whatsapp zeigen möchte, dass sie es auch ohne die App schaffen können. Vielleicht ist der Schritt also nur eine Provokation – ein Versuch, den Preis zu drücken. Zu Beginn soll das Update nur in einigen Ländern wie Indien, Australien, Venezuela und Südafrika erhältlich sein – dort, wo Whatsapp noch Wachstumspotenzial hat. Doch Facebook hat bereits angekündigt, das Angebot so schnell wie möglich ausweiten zu wollen.



