Von Stephan Dörner

- Screenshot Google
- Googles Knowledge Graph gibt es nun auch auf Deutsch.
Seit heute wird auch deutschen Google-Nutzern bei der Websuche nach bestimmten Begriffen eine Funktion namens Knowledge Graph angezeigt. Englischsprachige Nutzer kennen das schon länger. Was dahinter steckt? Ausgehend von der Suche des Nutzers wird dieser zum Entdecken eingeladen – indem er zum Beispiel sieht, was andere Nutzer im Zusammenhang mit einem bestimmten Suchbegriff zuvor gesucht haben. Außerdem werden die wichtigsten Fakten zu populären Begriffen bereits auf der Google-Seite angezeigt und das Gesuchte in Beziehung zu anderen Wörtern gesetzt.
„Suchen hat viel mit Entdecken zu tun, mit dem menschlichen Grundbedürfnis zu lernen und seinen Horizont zu erweitern“, scheibt das offizielle Google-Produkt-Blog in der Ankündigung. Die neue Funktion wird nicht bei jeder Suche angezeigt. Wer sie ausprobieren will, kann beispielsweise einmal nach Dschingis Khan suchen.
Der Begriff eignet sich, weil Dschingis Khan drei verschiedene Bedeutungen hat: Der Nutzer könnte den Herrscher der Mongolen aus dem 12. Jahrhundert meinen, den Nummer-1-Chart-Hit aus dem Jahre 1979 oder die gleichnamigen Gruppe, die den Hit damals sang. Der „Graph“ von Google zeigt daher in der deutschen Suche nun rechts ein Porträtfoto des mongolischen Herrschers sowie einige aus dem Onlinelexikon Wikipedia ausgelesene Schlüsseldaten an. Sollte der aber nicht gemeint sein, kann der Nutzer auch auf die von Ralph Siegel produzierte Popgruppe klicken, die mit einem Bild illustriert wird.
Außerdem werden unter dem mongolischen Herrscher Persönlichkeiten gezeigt, nach denen in diesem Zusammenhang ebenfalls oft gesucht wird: Sein Enkel Kublai Khna sowie die historischen Persönlichkeiten Alexander der Große, Attila und Marco Polo.
Der Graph versteht „Objekte aus der Realität und ihre Beziehungen untereinander“. So drückt Google es aus. „Eben echte Suchgegenstände, keine Zeichenfolgen.“ Google soll auf diese Weise Wahrzeichen, berühmte Personen, Städte, Fußballmannschaften, Gebäude, geographische Gegebenheiten, Filme, Himmelskörper, Kunstwerke und vieles mehr darstellen können. „Dies ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur nächsten Generation der Internetsuche, bei der die kollektive Intelligenz des Netzes genutzt wird. Sie kommt dem menschlichen Verständnis der Welt schon etwas näher“, schreibt Google.
Im Fachjargon wird eine derart „verstehende“ Aufbereitung von Suchergebnissen durch Computer auch als semantische Suche bezeichnet. Im März dieses Jahres hatte Google den Einstieg in die semantische Suche angekündigt. Das Wall Street Journal schrieb damals, dass die dadurch verursachten Veränderungen in Googles Websuche zu den „größten Umbaumaßnahmen der Unternehmensgeschichte“ zählten.

- dapd
- IBM-Rechner “Watson” bei der US-Spielshow “Jeopardy”.
Was Computer leisten können, wenn sie Eingaben von Menschen nicht nur nach einfachen Mustern maschinell auf Ähnlichkeiten in einem vorhandenen Index absuchen, sondern Objekte in Beziehung setzen und mit Bedeutungsmustern verknüpfen, zeigte 2011 bereits der IBM-Großrechner Watson. Der Computer wird heute unter anderem bei Banken eingesetzt. Er demonstrierte seine Fähigkeiten auch in der US-Spielshow „Jeopardy“, bei der er die besten menschlichen Spieler aller Zeiten schlug. Bei der Spielshow geht es darum, zu einer vom Quizmaster vorgegebenen Antwort die passende Frage zu finden. Die Aufgabe ist für Computer deutlich schwerer zu bewältigen als eine klassische Suchabfrage, weil ein Verständnis des Verhältnisses von Antwort und Frage simuliert werden muss.
Bislang erfassten klassische Suchmaschinen die Bedeutung von Worten noch nicht, sondern suchten nur stumpf nach Ähnlichkeiten. So berücksichtigte eine Suchmaschine beispielsweise nicht, dass ein Wort wie „studieren“ je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen haben kann – ein Fach kann ebenso studiert werden wie ein Fahrplan.
Derzeit arbeiten auch viele kleinere Unternehmen an semantischen Suchen. Ein Anbieter aus Deutschland ist beispielsweise Sempria. Auch Google forscht schon lange an semantischen Technologien. Schon lange nutzt das Unternehmen Muster in Informationen wie Sprache, Zeit und Ort, um herauszufinden, was der Nutzer wahrscheinlich sucht. Deshalb liefert jede Google-Suche je nach Umständen wie Ort, Computer und IP-Adresse auch jeweils andere Ergebnisse. Um Google bei der semantischen Einordnung von Informationen zu helfen, können Website-Betreiber auch sogenannte Rich Snippets auf dem Server hinterlegen und damit Google auf die Sprünge helfen.
Microsoft hatte bereits 2008 die semantischen Websuchmaschine Powerset für einen geheim gehaltenen Kaufpreis übernommen und nutzt die Technik heute in seiner Suchmaschine Bing.


