Von Stephan Dörner
Die amerikanische Crowdfunding-Plattform Indiegogo hat angekündigt, an einer deutschen und französischen Version zu arbeiten. Außerdem akzeptiert die Plattform ab sofort neben US-Dollar und britischen Pfund auch Euros und kanadische Dollar für die Transaktionen, wie unter anderem Sleashgear berichtet.
Indiegogo gehört zu den weltweit führenden Crowdfunding-Anbietern. Der bekannteste darunter ist die US-Plattform Kickstarter, die erst vor zwei Monaten eine eigene Version für Großbritannien gestartet hat, bei der in britischen Pfund bezahlt wird.
Das Crowd-Prinzip
Crowdfunding funktioniert so: Unternehmer stellen Pläne oder Prototypen eines Produkts vor. Das reicht von technischen Geräten über Bücher bis zu Musik oder einem Film. Dann sammeln sie – ohne den Zwischenhändler wie eine Produktionsfirma – Unterstützer. Diese versprechen, das Produkt zu einem bestimmten, rabattierten Preis zu kaufen, wenn die von den Machern angegebene Mindestsumme zusammenkommt. Nur dann wird das Geld der Unterstützer auch abgerufen – und das Produkt finanziert. Einzelne Unternehmer haben auf diese Weise bereits mehrfach Millionensummen eingesammelt.
Das Crowdfinanzierungsmodell können auch Unternehmen nutzen. Bei Plattformen wie Seedmtach, Companisto oder Bergfürst investieren der Nutzer nicht in einzelne Produkte, sondern in Unternehmen – und nimmt damit auf verschiedene Weise am Unternehmenserfolg oder -misserfolg teil. Derartige Dienste werden als Crowdinvesting bezeichnet.
Crowdfunding und Crowdinvesting boomen in Deutschland
„Crowdfunding und Crowdinvesting boomen derzeit in Deutschland“, sagt Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de. „Es dürfte mittlerweile fast 30 Plattformen geben – und jede Woche kommen neue hinzu.“ Doch nur die wenigsten davon werden überleben, erwartet er. „Die Unterschiede zwischen den Plattformen sind gering, vielen fehlt ein Alleinstellungsmerkmal.“
Alex Hofmann, leitender Redakteur beim Start-up-Portal Gründerszene, verweist allerdings auch darauf, dass Unternehmen bei der Finanzierung auch mehrere Plattformen nutzen können. „Crowdfunding hat in den vergangenen Monaten mit dem Eintritt einer Vielzahl von einfallsreichen Anbietern einen deutlichen Schub erhalten“ sagt Hofmann. „Die Unterschiede der einzelnen Plattformen reichen dabei von einer marktbasierten Unternehmensbewertung im Fall von Innovestment über eine ausgeprägte Investorenbasis bei Seedmatch und Selbstbeteiligungspflicht bei Mashup Finance bis hin zu einem E-Commerce-Fokus bei Gründerplus.“
Auch das englischsprachige Blog Venture Village, das über die heißesten Start-ups aus Europa berichtet, sieht einen Crowdfunding-Boom in Deutschland. „Derzeit hat Deutschland die größte Zahl der Projekte auf Indiegogo unter allen nicht englisch sprechenden Märkten“, schreibt Venture Village. Im August verkündete Indiegogo eine Partnerschaft mit Google und der Stiftung Entrepreneurship, um gemeinsam den Wettbewerb Gründer-Garage zu unterstützen.
Seedmatch ist in Deutschland Marktführer
Beim Thema Crowdinvesting sieht Alexander Hüsing derzeit Seedmatch weit vor der Konkurrenz. Auch laut Hofmann ist Seedmatch die wohl bekannteste der Crowdinvestment-Plattform und kann eine längere Liste an durchgeführten Finanzierungen vorweisen. Die Plattform hat bereits Unternehmensfinanzierungen im Volumen von bis zu 200.000 Euro ermöglicht. „Das Thema ist dabei, sich zu etablieren und könnte eine gute Alternative für Gründer sein, um ein Projekt auf die Startbahn zu kriegen“, sagt Hüsing.
Die Crowdinvestment-Plattform Bergfürst könnte allerdings noch einmal Schwung in den Markt bringen. Dort sollen die Nutzer nicht in Start-ups investieren, sondern in bereits etablierte Unternehmen, die stark wachsen wollen. Sie sollen auf der Plattform Aktien in Millionenhöhe ausgeben. Das andere Extrem ist Companisto, das sich tatsächlich an Start-ups richtet. Nach Angaben der Betreiber haben Gründer von über 1000 Mikro-Investoren Wachstumskapital in Höhe von jeweils 100.000 Euro erhalten. „Während Bergfürst per Bafin-Lizenz und Aktienemission theoretisch unbegrenzte Beteiligungshöhen ermöglichen will, wirbt Companisto mit niedrigen Mindestbeteiligungssummen“, sagt Alex Hofmann von Gründerszene.
Problem von Bewertung und Beteiligung
Knifflig sind aus Sicht von Hofmann vor allem zwei Themen bei der Unternehmensbeteiligung: Eine realistische Bewertung des Unternehmens und mögliche Mitspracherechte, die Gesellschafter durch die Beteiligung erhalte. „Wird der Unternehmenswert zu hoch angesetzt, kann dies schnell zu verärgerten Crowd-Investoren führen“ sagt er. Ein umfangreiches Mitspracherecht sei meist nur schwer umzusetzen. „Allerdings gibt es etwa bei stillen Beteiligungen grundlegende Maßnahmen – wie etwa die Änderung des Geschäftszwecks, die der Zustimmung aller stillen Investoren bedürfen.“



