Von Stephan Dörner
Wissen Sie, welche Taktfrequenz der Prozessors Ihres PCs hat? Nicht nur Laien beantworten diese Frage heute überwiegend schulterzuckend – auch für eingefleischte Technik-Freaks werden solche Daten zunehmend irrelevant. PCs sind heute in der Regel einfach schnell genug. Mit dem Ersatz der langsamen Festplatte durch schnellen SSD-Speicher scheint außerdem der letzte Bremsklotz endlich aus dem Weg geräumt zu sein. Diese Entwicklung hat Jahrzehnte gedauert.
Rasant verlief im Gegensatz dazu die Hardware-Entwicklung bei Tablets und Smartphones. Das IT-Blog Anandtech ließ das iPhone 5, die aktuelle sechste Generation des Apple-Smartphones, gegen das gerade einmal fünf Jahre alte Ur-iPhone antreten. Bei der Ausführung von Javascript war das aktuelle iPhone etwa 50 Mal schneller als das erste Apple-Smartphone.
Zwar wurde in den fünf Jahren seit dem Start des ersten iPhones auch der Code von Javascript stark optimiert – doch die Leistungssteigerung ist zu einem guten Teil auf die dramatisch verbesserte Hardware zurückzuführen. Nicht nur bei Prozessorgeschwindigkeit und Speicher haben Smartphones und Tablets kräftig zugelegt – auch die Grafikleistung wurde immer besser. Inzwischen besitzen Tablets wie das iPad von Apple Bildschirmauflösungen, die selbst Profi-Grafiker größtenteils noch immer nicht auf ihren PC-Bildschirmen darstellen können.
Doch was folgt jetzt? Hört man sich unter Smartphone-Nutzern um, was sie sich für Geräte der Zukunft wünschen, bleibt eigentlich nur eins: eine bessere Akkulaufzeit. Die Geräte heute sind leicht, die Bildschirmauflösung befindet sich auf einem so hohen Niveau, dass das menschliche Auge keine einzelnen Pixel mehr unterscheiden kann. Und schneller können Computer aller Art natürlich vor allem im Zusammenhang mit aufwendigen Spielen immer werden – aber für alltägliche Aufgaben wie Websurfen, E-Mails schreiben und Videos schauen sind Smartphones und Tablets – genau wie PCs – längst schnell genug.
Innovationen sind in Zukunft vermutlich weniger bei der Hardware, als bei der Software zu suchen. Allein die Tatsache, dass in naher Zukunft so gut wie jeder Mensch in der westlichen Welt und vielleicht auch schon bald im Rest der Welt einen kleinen Internet-fähigen Computer bei sich trägt, wird ungeahnte Applikationen ermöglichen, an die wir jetzt noch gar nicht denken. Soziale Netzwerke werden mobil – und ermöglichen im Zusammenspiel mit der Geolokalisierung mittel GPS ganz neue Anwendungen.
So können beispielsweise Angebot und Nachfrage für Güter und Dienstleistungen aller Art über ein flächendeckendes Smartphone-Netz jederzeit in Echtzeit organisiert werden. Einen ersten Vorgeschmack darauf, was mit solchen Modellen möglich wird, gibt die Smartphone-App Flinc, die Mitfahrgelegenheiten spontan in einer Community vermittelt. Ein anderes Beispiel ist das deutsche Start-up Streetsportr, das Mini-Jobs via Smartphone verteilt.
Das nächste große Ding, das die Welt verändert, ist daher wahrscheinlich nicht das nächste iPhone oder ein anderes Gerät – sondern eine Idee, ein Geschäftsmodell oder eine App, die durch die flächendeckende Verbreitung der Geräte ermöglicht wurde.



