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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Euro-Krise als Youtube-Hit

Bob Denham
Eine sehr europäische Weihnachtsfeier – Screenshot aus dem zweiten Youtube-Clip von Bob Denham zur europäischen Schuldenkrise.

Der britische Filmemacher Bob Denham hat mit einem Kurzfilm zur Euro-Krise einen kleinen Youtube-Hit gelandet – insbesondere in Griechenland und Deutschland. Im Mittelpunkt des Clips steht das angespannte deutsch-griechische Verhältnis, das Denham als Hassliebe eines Pärchens darstellt.

Der Film spielt heftig mit den europäischen Klischees: Sie, die Deutsche, ist fleißig, gewissenhaft und wenig entspannt, wenn sie sieht, wie er – der Grieche und Lebemann – sich für Fernseher und Spielekonsole verschuldet und die meiste Zeit auf der Couch sitzt. Vor lauter Wut nimmt sie ihm die AAA-Batterien aus der Fernbedienung – der Film ist voll von solchen Anspielungen. Als dann noch die Nachbarn – eine Spanierin und ein Brite – vorbeischauen, eskaliert der Streit.

Am Ende allerdings merkt das deutsch-griechische Pärchen, dass sie ohne einander nicht können – der Grieche nicht ohne die Motivation seiner deutschen Frau, die Deutsche nicht ohne die Lebensfreude ihres griechischen Manns.

Pünktlich zu Weihnachten, erhält der Kurzfilm, auf den das Wall Street Journal Deutschland im September auf Facebook hinwies, einen Nachfolger – eine europäische Weihnacht. Aber sehen Sie selbst:

Besonders interessant an dem Projekt ist, dass es sich tatsächlich um ein europäisches handelt – organisiert komplett über das Internet. Per E-Mail hat Denham WSJ Tech einige Fragen zu seinem Youtube-Hit beantwortet:

Wie sind Sie die auf die Idee gekommen, Kurzfilme über die europäische Schuldenkrise zu drehen?

Pressefoto
Bob Denham

Wie viele andere Leute fand ich die Beobachtung von Europas Krise in den vergangenen Jahren ermüdend – und daher dachte ich mir: „Ernsthaft, wie kann das nur so lange dauern?“ Europas Führungspersönlichkeiten diskutieren immer und immer wieder über dieselben Dinge – ganz ähnlich wie so manches Ehepaar.  So kam mir die Idee, die Geschichte der europäischen Schuldenkrise als Beziehung zwischen einer deutschen Frau und einem griechischen Mann zu erzählen. Für mich passt die Analogie einfach perfekt. Oberflächlich betrachtet mag es so scheinen, als ob Deutschland und Griechenland sich hassen – aber unter der Oberfläche kommen Dinge zum Vorschein, die beide daran erinnern, warum sie immer noch zusammen sind.

Was wollten Sie mit den beiden Kurzfilmen erreichen?

Ich wünsche mir, dass die Filme von so vielen Leuten wie möglich gesehen werden – und das bei einem geringen Budget, das nur das Internet ermöglicht. Die Filme sind ein Experiment, um zu sehen, ob wir es schaffen, ein verwirrendes Thema einfach, unterhaltend und sogar witzig aufzubereiten. Wir hoffen dadurch, dass einige Leute anders über die Krise denken.

Wie viel hat die Produktion der beiden Filme gekostet?

Das formelle Budget eines Independent-Film sagt im Grunde nichts aus, weil viele Dinge, die bei einer professionellen Filmproduktion Tausende von Pfund kosten würden, von den Beteiligten umsonst erledigt werden. Der erste Film kostete rund 500 britische Pfund, der zweite ist deutlich professioneller produziert, ohne dass wir ein deutlich größeres Budget zur Verfügung hatten. Es ist die Art von Budget, die den Internationalen Währungsfonds stolz machen würde. Derzeit suchen wir aber nach Möglichkeit für die Finanzierung weiterer Filme, falls die Nachfrage danach bestehen sollte.

Wie haben Sie die passenden Schauspieler gefunden?

Bob Denham
Deutschland ist Gründungsmitglied eines Country Clubs namens EU – Denham spielt mit Klischees.

Alle mitwirkenden Schauspieler sind Profis – zwölf davon aus verschiedenen Ländern zu finden war eine große Herausforderung. Unsere Produzentin Lara Doree war exzellent darin, eine engere Auswahlliste für jede Rolle anzufertigen.

Beide Filme wurden in London gedreht, die Stadt ist voll von Europäern. Vermutlich hätten wir den Film nirgendwo sonst auf der Welt so einfach drehen können. Einige mussten wir allerdings einfliegen lassen – aus anderen Teilen Großbritanniens oder und unseren brillanten Francois aus Paris.

Ich nehme an, dass die Schauspieler umsonst mitgespielt haben – aber wie wurden die Flüge bezahlt?

Dafür habe ich mich ironischer Weise verschuldet. Hoffentlich erweist sich das als tragbar und wird meine Fähigkeit für künftige Einnahmen nicht gefährden.

Was haben Sie die beiden Filme insgesamt gekostet?

Wir arbeiten noch daran, das auszurechen. Die wahren Kosten waren allerdings die harte Arbeit und die Anstrengungen der Teilnehmenden. Der zweite Film ist das Werk von 30 engagierten und leidenschaftlichen Leuten. Wenn Sie auch nur die Hälfte von dem verlangt hätten, was sie normalerweise verlangen, hätte der Film ein Vermögen gekostet.

Haben Sie mit den Filmen auch auf irgendeine Art Geld gemacht?

Nein. Es geht darum, die Botschaft der Filme zu verbreiten.

Welche Kamera haben Sie eingesetzt, welches sonstige Equipment und welche Software?

Beide Filme wurden mit der Canon 5D DSLR geschossen. Die Spiegelreflexkamera kann Filme in HD-Auflösung aufnehmen. Zusammen mit hochwertigen Objektiven gelingt ein großartiger Kino-Look. Digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) sind inzwischen die Kamera der Wahl für alle unabhängigen Filmemacher. Von der Kamera abgesehen war die Produktion und Postproduktion sehr professionell. Viele Leute haben ihr Zeit und ihr Equipment umsonst zur Verfügung gestellt, um den Film zu realisieren.

Und wie vielen Klicks haben beide Videos eingefahren?

Der erste Film erreichte 300.000 Klicks auf Youtube sowie weitere Klicks auf anderen Seiten. Der Film wurde in Zeitungen ebenso erwähnt wie in landesweiten TV-Ausstrahlungen in Deutschland, Griechenland und den Niederlanden. Ich bin aber gar nicht so fixiert auf die Zahl der Klicks, wichtiger ist mir, dass ihn Leute aus allen Ländern der Welt sehen. Das funktioniert nur online.

Der zweite Film wurde gerade erst veröffentlicht. Ich hoffe, dass er ebenso zu Diskussionen anregt.

Wie waren denn die Reaktionen in den verschiedenen europäischen Ländern – insbesondere Deutschland und Griechenland? Wie unterschiedlich fielen sie aus?

Die Reaktionen waren überwiegend gar nicht so unterschiedlich. Natürlich fühlten sich einige Leute durch die stereotypische Darstellung angegriffen – und einige nahmen den Film auch zum Anlass, um in den Youtube-Kommentaren beleidigend zu werden. Die meisten allerdings haben schnell erkannt, dass der Film witzig gemeint ist und haben mitgelacht.

Was mich am meisten freute ist, dass viele, die den Film sahen, sehr gut argumentierte Kommentare schrieben, welche die darin vorkommenden Stereotypen widerlegten – beispielsweise den Mythos, dass alle Griechen faul seien.

Sie selbst sind Brite und Ihre Videos scheinen eine pro-europäische Botschaft zu verbreiten. Fühlen Sie sich manchmal einsam mit Ihrer Meinung in Ihrem Heimatland?

Haha! Vielleicht… Aber der Film möchte die Botschaft dem Publikum überlassen. Ich versuche ausgewogen zu sein. Vielleicht wirkt der Film auch nur deshalb so pro-europäisch, weil derzeit alles andere so anti-europäisch ist.

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