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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Microsoft rebelliert gegen Apples Cloud-Macht

dapd
Microsoft-Chef Steve Ballmer auf einem Archivbild von 2006.

Das Wall-Street-Journal-Blog AllThingsD berichtet, dass Microsoft vor der Veröffentlichung von Office  für Apples mobiles Betriebssystem iOS mit Apple streitet. Der Streit dreht sich um die Umsatzbeteiligung von 30 Prozent, die Apple nicht nur alle Umsätze beim Kauf der App verlangt, sondern auch für alle Umsätze, die innerhalb der App generiert werden.

Im Klartext würde das bedeuten, dass bei jedem Vertrag über die Nutzung von Microsoft Cloud-Service Office 365 oder den Cloud-Dateidienst Skydrive, den der Nutzer aus der iOS-App heraus abschließt, Apple die Hand aufhalten würde – und zwar egal, ob der Nutzer die Dienste auf dem iPad, dem Windows-PC oder seinem Android-Gerät nutzt. Denn genau diese Geräte-Unabhängigkeit ist ja der Sinn eines Cloud-Dienstes – ein Programm also, das von überall aus über das Internet genutzt werden kann, in Microsofts Fall durch einen Webbrowser. Microsoft akzeptiert dem Bericht zufolge sogar die hohe Umsatzbeteiligung bei Speicherupdates für Skydrive über die App, nicht aber für den Cloud-Dienst.

Apple will daher zumindest für den Cloud-Dienst die 30/70-Regel kippen – und Apple weigert sich. “Mir wurde gesagt, dass Apple eine ‘Regeln sind Regeln’-Haltung eingenommen hat und nicht bereit ist über eine andere Aufteilung zu verhandeln”, schreibt AllThingsD.

Apple setzte sich auch gegen Amazon durch

Kein Wunder, immerhin handelt es sich um eine Grundsatzfrage. Sollte Microsoft eine Ausnahme gewährt werden, würden auch andere Begehrlichkeiten anmelden. Denn der Streit ist nicht der erste dieser Art: Auch Amazon wurde von Apple schon dazu gezwungen, seine Kindle-App für iPhone und iPad zu verstümmeln und den Zugriff auf den Kindle Store abzuschaffen.

Bei allem, was innerhalb einer App gekauft wird, hält Apple die Hand auf – nur das Web ist frei. So will Apple verhindern, dass Software-Anbieter ihre Apps künstlich billig machen und dann Einnahmen durch In-App-Käufe an Apple vorbeischleusen. Selbst Spenden sind verboten – mehrere Apps mussten die Integration des Social-Payment-Service Flattr aus ihrer App wieder entfernen.

Die Befürchtungen von Apple sind natürlich nachvollziehbarer. Die die Konsequenz aus der Regel ist eine Machtballung im eigenen Ökosystem, von der Microsoft nur träumen konnte. Microsoft Marktmacht machte in den 1990er Jahren viele Sorgen. 1997 musste Steve Jobs Microsoft sogar anbetteln, dass sie Office für den Mac veröffentlichen. Diesmal sitzt Apple wohl am längeren Hebel. Microsoft muss auf der wichtigsten Plattform der mobilen Welt mit den eigenen Produkten präsent sein, sonst setzen sich Alternativen durch.

Doch was bedeutet Apples Politik konsequent durchgedacht – und damit auf die Spitze getrieben? “Wenn ein Immobilien-Portal eine App rausbringt – kriegt Apple 30% der Miete? ;-) ” scherzt Twitter-Nutzer Juergen. Twitter-Nutzer Boris ‘pi’ Piwinger ergänzt: “Richtig interessant wird es, wenn Automobilhersteller ihren Car-Konfigurator mit Bestellmöglichkeit als App rausbringen!”

Apple hat heute mehr Macht als Microsoft in den 90ern

Microsofts eigene Dominanz in den 1990er Jahren erstreckte sich immer nur auf das Betriebssystem – Hardware und Software lieferten andere. Jeder konnte für Windows Software schreiben – ohne Vorzensur durch Microsoft. Und jeder Softwarehersteller strich 100 Prozent der Einnahmen ein. Auf dem Mac war das nur insofern anders, als dass bei Apple Hard- und Software von derselben Firma kamen – ansonsten war die Plattform offen für jeden.

In der mobilen Welt scheint sich derzeit kein Quasi-Monopol abzuzeichnen wie noch auf dem Desktop-PC-Markt der 1980er und 1990er Jahre. Die Konkurrenz von Android und iOS tut der Innovationskultur auf diesem Markt gut. Die Macht allerdings innerhalb des Apple-Reichs ist so groß wie nie zuvor. Die „Wal-Martisierung des Softwarevertriebs“ nannte das der bekannte Blogger Cory Doctorow bereits bei der Einführung des iPads 2010.

Das Web bleibt frei

Doch Apples Gefängnis  hat den Fluchtplan gleich mit eingebaut: Der Zugriff auf das Web ist frei – und auch darüber lassen sich Apps programmieren. Noch sind die lange nicht so flink und schön wie die direkt für die Plattform geschrieben Programme. Sollte es den Software-Herstellern in der Apple-Welt aber irgendwann einmal wirklich zu eng werden, bleibt immer noch die Flucht ins Web.

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