Von Juro Osawa
Googles Websuche in China warnt seit Kurzem nicht mehr, wenn Nutzer ein Wort in das Suchfeld eintragen, das Pekings Internet-Zensoren auf den Plan rufen könnte. Diese Warnfunktion wurde Ende Mai eingeführt und informierte Google-Nutzer in Festland-China darüber, wenn sie ein politisch sensibles Suchwort eingaben.
Die Zensur des Internets erfolgt in China zum Teil direkt über den Staat. Den Großteil überlässt er aber den jeweiligen Dienstanbietern, die Nachrichte löschen, welche gegen lokale oder nationale Gesetzte verstoßen. Seit 2010 weigert sich Google aber, die Zensur selbst auszuführen, und ist mit seinen Servern nach Honkong umgezogen. In der ehemaligen britischen Kronkolonie herrschen Presse- und Meinungsfreiheit.
Chinas Internet-Zensoren sind deshalb dazu übergegangen, bei kritischen Suchworten einfach die Verbindung zu kappen und es wie einen technischen Fehler aussehen zu lassen. Der Nutzer bekam nur den Hinweis, dass sich Googles Websuche derzeit nicht erreichen lasse.
Als Google im vergangenen Jahr diese Methode erkannte, warnte es seine Nutzer vor dem Vorgehen der Zensoren. Sobald ein Nutzer ein Wort eingab, das ein potenziell problematisches Schriftzeichen enthielt, erschien die Nachricht, dass eine Suche nach diesem Schriftzeichen „die Verbindung zu Google vorübergehend unterbrechen könnte“. Google sei für die Unterbrechung nicht verantwortlich.
Im offiziellen Google-Blog schrieb das Unternehmen am 31. Mai: „Wir bekamen eine Menge Reaktionen, in denen man uns sagte, dass die Suchergebnisse auf dem Festland unbeständig und unzuverlässig sind. […] Wir haben festgestellt, dass diese Unterbrechungen eng mit bestimmten Suchen verknüpft sind.“
Von einigen politisch heiklen Worten und Sätzen ist weithin bekannt, dass sie die Zensur auslösen. Doch die chinesische Regierung veröffentlicht und kommentiert die Internet-Restriktionen nicht und behandelt die zensierten Worte als Staatsgeheimnis.
Einige Analysten werteten die Warnungen von Google als Aufstand Googles gegen Chinas Zensurversuche. Ein Google-Sprecher bestätigte nun, dass die Warnfunktion inzwischen wieder beseitigt wurde, wollte sich aber nicht zu den Gründen äußern. Im November waren Google-Dienste wie Websuche und E-Mail für kurze Zeit landesweit blockiert worden.



