Von Mike Isaac
Wochenlang häuften sich Berichte, wonach die Nutzerzahlen bei Instagram deutlich zurückgegangen sein sollen. Nun hat das soziale Foto-Netzwerk erstmals Daten veröffentlicht, die einen Einblick gewähren, wie hoch die Zahl der Nutzer ist, die den Dienst tatsächlich regelmäßig verwenden.
Nach letzten Auswertungen kommt Instagram auf 90 Millionen Nutzer im Monat. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Außerdem könne man keinen Rückgang feststellen – man würde vielmehr weiter wachsen. Zwischen Dezember 2012 und Januar 2013 seien die Nutzerzahlen um zehn Prozent angestiegen.
„Instagram verzeichnet weltweit weiterhin ein starkes Wachstum“, sagte Instagram-Mitgründer Kevin Systrom dem Technologie-Blog AllThingsD. „Wir haben das Produkt verbessert und an der Internationalisierung gearbeitet. Und es ist toll, dass unsere Anstrengungen bei den Nutzern rund um den Globus anscheinend gut ankommen.“
Doch warum machten in den vergangenen Wochen Berichte die Runde, dass es mit den Nutzerzahlen bei Instagram nicht gut aussieht? Das liegt unter anderem daran, dass Analysen von Drittanbietern immer ein wenig kompliziert sein können.
Zum einen wurde in den Texten von einem Rückgang der täglichen Nutzerzahlen gesprochen – doch das ist gar nicht so ungewöhnlich. Nicht jeder nutzt Instagram regelmäßig, Tag für Tag. Eine Fluktuation so zu erklären, wäre also ein logisches Argument. Und dann gibt es auch noch die Möglichkeit, dass die Feiertage und Weihnachtsferien zu einem Rückgang bei den Zahlen der regelmäßigen Nutzer geführt haben.
Doch vielleicht am wichtigsten: Die Analysedienste, die verwendet wurden, haben die Aktivitäten bei Instagram nur bei den Personen gemessen, deren Accounts mit Facebook verbunden waren. Da jedoch ein Großteil der Nutzer sein Instagram-Profil nicht mit Facebook verbindet, sind die Daten nicht wirklich verlässlich.
Es gibt einen Grund, warum viele Berichte sich gierig auf die Daten von Anbietern wie App Data und anderen Schätzdiensten gestürzt haben. Im Dezember hatte Instagram Änderungen in seinen Geschäftsbedingungen angekündigt. Darin ging man auf Möglichkeiten ein, wie man mit dem Dienst Geld verdienen könne. Weil die Formulierungen unglücklich gewählt waren, wurden sie von vielen Nutzern missverstanden und falsch interpretiert. Schnell machte das Gerücht die Runde, Instagram würde in Zukunft die Bilder seiner Nutzer für bezahlte Werbung innerhalb des Netzwerkes verwenden.
Im Zuge dieser Kontroverse schworen viele Nutzer der App ab und suchten sich Alternativen. Wie der Bericht vom Donnerstag nun jedoch zeigt, hat sich an der allgemeinen Entwicklung der Nutzerzahlen aber kaum etwas geändert.
Es wäre vermutlich am besten, wenn Instagram in Zukunft neben den täglichen Nutzerzahlen auch Daten über die monatlichen Nutzer veröffentlichen würde, wie sie es am Donnerstag getan haben. Dann ließe sich besser nachvollziehen, ob und wie es zu einem Abfall der Nutzeraktivitäten gekommen ist. Allerdings bekommt man nicht immer das, was man sich wünscht.
Vielleicht wundert man sich kurz, wenn man die 90 Millionen vom Donnerstag mit den 100 Millionen vergleicht, die das Unternehmen im September verkündet hatte. Allerdings vergleicht man hier auch nicht Äpfel mit Äpfeln. Seit seiner Gründung hat Instagram immer nur die Zahlen der registrierten Nutzer veröffentlicht. Wer davon tatsächlich aktiv war, blieb im Dunkeln.



