Von Stephan Dörner

- Associated Press
Angesagt ist oft das, was junge Menschen nutzen. Vor allem Studenten haben Facebook vom College-Jahrbuch zum universellen Online-Netzwerk gemacht, das es heute ist. Doch genau dieser allumfassende Ansatz und eine Zielegruppe, die niemanden ausschließt, könnten für den unbestrittenen Marktführer zur Gefahr werden.
Eine aktuelle Studie im Auftrag von Jacobs Krönung zeigt: Generationen kommunizieren heute zunehmend in Parallelwelten. Heute würde weniger über Generationsgrenzen hinweg, sondern hauptsächlich innerhalb der eigenen Altersgruppe kommuniziert, stellt die Studie fest. Zu Anfang war Facebook ein Ort, der diesem Kommunikationsbedürfnis Rechnung trug: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene konnten in einem sicheren Umfeld untereinander kommunizieren – Ältere blieben überwiegend draußen.
Inzwischen sind Kinder, Jungendliche und junge Erwachsene auf Facebook lange nicht mehr allein. Zu den Mitschülern und Kommilitonen gesellen sich Lehrer, Professoren, Chefs, Eltern, Großeltern sowie Bekannte und Verwandte der eigenen Eltern. Die Teens und Tweens weichen daher längst auf andere Kommunikationskanäle aus, um sich in sicheren Räumen auszutauschen – also unbemerkt vor den Blicken der Eltern. Die populäre SMS-Alternative Whatsapp ermöglicht beispielsweise den Austausch in abgeschlossenen Gruppenchats via Smartphone. Ebenso werden auf dem PC bereits seit längerem Programme wie Skype, MSN oder ICQ genutzt.
Geschlossene Gruppen sind auch auf Facebook möglich. Doch nicht immer entspricht dies den Kommunikationsbedürfnissen der jungen Generation. Manchmal geht es auch darum, etwas quasi-öffentlich zu machen – aber eben ohne, dass Eltern oder Lehrer davon erfahren. Deshalb suchen sich Jugendliche oftmals Alternativen zu Facebook für ihre öffentliche Kommunikation, berichtet Cnet.
Cnet vermutet, dass Facebook deshalb bald als uncool gelten könnte. „Facebook hat seine Wurzeln in Havard-Studentenwohnungen. Das Netzwerk muss darum kämpfen, dem Geschmack der Trendsetter hinterherzukommen.“ Facebook-Asyl bieten beispielsweise Foto-Apps wie Instagram und SnapChat – Eltern und Lehrer sind dort noch so gut wie gar nicht zu finden.
Noch gibt es keine harten Daten, die belegen, dass Facebook ein Teenie-Problem hat. Cnet verweist aber auf die Beobachtung von Teenagern im eigenen Umfeld, Gesprächen mit Eltern und Analysten. Das Unternehmen selbst habe außerdem in zwei Pressemeldungen auf das Problem hingewiesen. Im Jahresbericht warnte Facebook Investoren, dass junge Nutzer sich erstmals anderen Diensten als Ersatz für Facebook zuwendeten – vor allem Instagram, das Facebook August 2012 übernommen hatte.



[...] Andere soziale Netzwerke leben vom Coolness-Faktor, den Facebook längst verloren hat. Die Tatsache, dass auf Facebook inzwischen auch Ältere und große Teile der Gesellschaft vertreten sind, ist nicht für jede Art von Kommunikation hilfreich – nämlich immer dann, wenn beispielsweise Jugendliche unter sich bleiben wollen. [...]