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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Twitter patentiert sich selbst

 

8.401.009 – hinter dieser Zahl versteckt sich ein Patent, das seit Dienstag dem Kurznachrichtendienst Twitter gehört. Etwas sperrig als geräteunabhängige Nachrichtenverteilplattform (device independent message distribution platform) bezeichnet, wird darin das grundlegende System des Netzwerkes beschrieben – und gleichzeitig geschützt.

Grob gesagt: Twitter hat sich eine Methode patentieren lassen, bei der sich Nutzer gegenseitig folgen und Nachrichten versenden können, ohne einen speziellen Empfänger angeben zu müssen. Vielmehr entscheidet gewissermaßen das System, an wen die Texte, Bilder und Links gehen – und welchen Followern sie angezeigt werden. Im engeren Sinne ist Twitter damit kein Nachrichtendienst, sondern eine Distributionsplattform. Und genau die hat sich das Unternehmen nun schützen lassen.

Was das für die Konkurrenz bedeutet, ist noch nicht absehbar. Schließlich setzen auch andere soziale Netzwerke wie Facebook, LinkedIn und App.net auf ähnliche Strukturen.  Twitter hat laut des Techblogs The Verge  jedoch versprochen, die Patente nur zum eigenen Schutz – also defensiv – einsetzen zu wollen. Nichtsdestotrotz werden die Wettbewerber nun vermutlich genau darauf achten, wie sie ihre Nachrichtendienste gestalten und anlegen wollen. Denn das neue Twitter-Patent ist sehr breit gefasst und deckt so ziemlich alle Möglichkeiten ab, wie Nachrichten an eine bestimmte Gruppe von nicht adressierten Empfängern, die dem Sender folgen, verschickt werden können. (Wer sich durch das gesamte Werk lesen will, der findet es hier: Patent Nr. 8.401.009.)

Sicher: Facebook und Twitter unterscheiden sich in großen Teilen. Auch Google+ und LinkedIn dürften angesichts der angekündigten defensiven Strategie des Kurznachrichtendienstes zunächst auf der sicheren Seite sein. Trotzdem: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Twitter sich manchmal wenig um die Gefühle der anderen schert. Vor allem dann, wenn es um das Vorgehen gegen die Konkurrenz geht. Auch viele Entwickler haben sich schon über das Netzwerk beschwert, das ihnen durch neue Vorgaben und Beschränkungen in der jüngsten Vergangenheit angeblich immer neue Steine in den Weg gelegt hat. Als Werkzeuge dienen dabei häufig Updates der Twitter-API.

Wie sagte schon der Onkel von Spider-Man? „With great power comes great responsibility“ – es bleibt abzuwarten, ob Twitter seine vorherigen Versprechen einhalten wird. Oder ob wir uns jetzt schon auf das Ende von Netzwerken wie App.net einstellen müssen.

Twitter und App.net antworteten kurzfristig nicht auf eine Anfrage.

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    Stephan DörnerStephan Dörner
    Jörgen CamrathJörgen Camrath